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 Betreff des Beitrags: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 21. Aug 2011, 19:33 
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Halbelfe
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Die Elfenwälder bestanden aus vielen Bäumen, die allesamt dicht beieinander standen. Die Bäume waren so unterschiedlich wie die Völker der Welt. An mancher Bäume Ästen hingen Blätter, von großen fächerartigen, bis hin zu spitzen schmalen, andere Äste waren von den verschiedensten Nadeln bedeckt. Manche Bäume hatten dicke Stämme, andere wiederum waren schlaksig. Viele der Bäume waren viele Meter hoch, manche Jünglinge reichten Luna noch nicht einmal bis zu den Schultern, würden in vielen Jahren jedoch ihren Müttern und Vätern in der Höhe um nichts nachstehen. Zwischen den Bäumen genossen Büsche und Sträucher ihr bodennahes Dasein, denn sie strebten nicht danach, den Himmel zu berühren wie die Bäume es taten. Die Wälder waren ein idyllischer Ort, wie es schien. Doch ließ man sich von der Idylle täuschen und sich in Sicherheit wägen, da man keine feindlichen Lebewesen zu erblicken schien, so beging man einen fatalen Fehler. Denn der Feind war tückisch und versteckte sich hinter einer Fassade, die man kaum durchschauen mochte. Die Bedrohung, die von ihm ausging, war um so vieles Größer, als von einem Dämon oder einem anderen Ungetüm, das man auf den ersten Blick erkannte. Diesen Gegner konnte man nicht mit Magie bekämpfen, auch nicht mit Metall. Die gebräuchlichen Waffen der Abenteurer waren gegen ihn machtlos. Alles, was gegen diesen Feind half, war Köpfchen, Ausdauer und im besten Falle gehörte man keinem Volke an, dass jener Feind verabscheute und als Eindringling betrachtete.
Der Feind? Das war der Wald selbst.
„Nun…“ Luna war stehen geblieben und blickte sich um. Ihr Blick blieb an einem mächtigen Baum hängen, von dem sie sich sicher war, ihn schon mehrfach passiert zu haben. „Diesen Baum kennen wir doch schon, nicht wahr? Mich beschleicht das Gefühl, dass uns der Wald im Kreis führt.“ Nie hätte Luna gedacht, dass Bäume einem so feindselig gesinnt sein konnten. In den letzten Stunden waren des Öfteren Wurzeln wie aus dem Nichts aus dem Boden aufgetaucht, Bäume hatten ganz plötzlich ihre Früchte über ihren Köpfen verloren und manche Bäume hatten sogar auf einen ihrer Äste verzichtet, bei dem Versuch, Luna und Syllvren zu erschlagen. Und augenscheinlich führte der Wald sie immer wieder an derselben Stelle vorbei. Es war eindeutig, dass sie nicht willkommen waren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 22. Aug 2011, 10:37 
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Dunkelelf
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Grummelnd schritt Syllvren auf den riesigen Baum, der vor ihnen stand, zu und musterte ihn ein wenig. Die Finger über die harte und raue Rinde tastend, anschließend den Boden nach Spuren absuchend. So langsam fing er an, an der Entscheidung zu zweifeln, dass der Wald der bessere Weg sei. Nie hätte er gedacht, dass die Elfenwälder so… hinterhältig sein konnte. Ein einfacher Ast zog seine Aufmerksamkeit auf ihn. Eine breite Kerbe war in ihn getrieben. Luna hatte Recht: Sie liefen im Kreis. Erst vorhin hatte er mit seinem Dolch diesen Ast gekennzeichnet.
„So werden wir nicht weiterkommen.“ Den Kopf schüttelnd blickte sich Syllvren um. Nicht nur, dass die Bäume es anscheinend auf ihrer beiden Leben abgehen hatte. Der Drow hatte das ungute Gefühl, dass sie beobachtet werden. Und es waren garantiert nicht diese mörderischen Bäume. Irgendetwas versteckte sich hinter der schützenden Fassade des Waldes. Und sicher war, dass die Bäume sie nicht verraten würden. „Wir müssen uns irgendwas einfallen lassen, sonst irren wir hier noch die ganze Nacht herum.“ Seine Trumpfkarte hatte Syllvren schon ausgespielt. Die Aurasicht war in solchen Momenten eigentlich immer von großer Hilfe gewesen, immerhin konnte Syllvren mit ihr über eine mittlere Distanz seine Umgebung ausspähen und Lebensformen aufspüren. Aber dieser verdammte Wald war von Magie durchdrungen. Uralter und mächtiger Magie, die er in einem solchen Ausmaß noch nicht erlebt hatte. Sie nahm ihn die Sicht, ließ den ganzen Wald lebendig erscheinen. Normalerweise würde man ja denken, dass Bäume keinen Willen haben und leblos sind. Aber inzwischen war sich Syllvren in diesem Punkt nicht mehr so sicher. „Hmm… Wenn dieser Wald wirklich lebendig sein sollte…“ Die Idee, die Syllvren durch den Kopf ging, war schon verrückt. Kein normales, sterbliches Wesen wäre auf so einen dummen Einfall gekommen. Aber ihr Gegner war auch nicht normal, von daher könnte die Maßnahme vielleicht die Richtige sein.
„Mach dich bereit, Luna. Es könnte sein, dass dieser idyllische Wald gleich böse auf uns wird.“ Syllvren streckte seinen Arm aus, versuchte den Schutzzauber seines Amulettes etwas zu manipulieren. Jeder Muskel spannte sich in ihm an, als die Verwandlung langsam einsetzte. Es war ein schwieriger Vorgang, seine Instinkte zu kontrollieren und nur teilweise ans Tageslicht zu lassen. Aber nur auf diesem Wege wäre er in der Lage, die Bäume zu überlisten. Wie dämlich das doch klang: Bäume überlisten…
Nach kurzer Zeit war sein Arm von schwarzem Fell überdeckt, die Hand zu der typischen Wolfsklaue verformt. Mit einer kurzen Bewegung riss er ein Stück der Rinde von dem Baumstamm des majestätischen Baumes, der vor ihm stand. Deutlich spürte er, wie das Holz erzitterte. Die Blätter raschelten aufgeregt und steckten scheinbar die anderen Bäume mit ihrer Aufregung an. Der Drow ließ sich davon aber nicht ablenken, legte er die Krallen auf das starke Holz des Baums. Ein stummes Gebet an Dark, ehe er anfing zu singen. Es war ein dunkler Gesang. Die Worte waren mit dunkler Magie durchflutet, ließen Syllvren jedes Mal ein klein wenig zusammenzucken. Alles um ihn herum wurde leise, nur sein Gesang erklang in seinen Ohren. Rote Wogen von Aura bildeten sich um Syllvrens Wolfsarm, umtanzten ihn beinahe schon anmutig und wurden mit jeder Sekunde intensiver. Langsam versank Syllvrens Wolfsklaue durch das ebene Holz. Der Drow spürte deutlich, wie die Magie des Waldes ihn zurückdrückte. Dennoch sang er ununterbrochen weiter, wurde langsam immer lauter und schneller. Jetzt hörte er auch wieder das laute und aufgeregte Rascheln der Bäume. Und er spürte, wie der Boden unter ihm zu beben begann. Noch wenige Augenblicke, dann würde er den Fluss der Magie völlig verstehen können.
Ein Surren durchbrach die Geräusche seiner Stimme und des Waldes. Wie aus dem Nichts schossen drei Pfeile aus den Schatten einiger Bäume. Zielgenau schlugen sie in Syllvrens rechten Arm ein, bohrten sich tief in sein Fleisch. Der Schmerz durchzuckte seinen Körper, brachte der Magie des Waldes die Gelegenheit ihn wegzustoßen. Seine Klaue wurde aus dem Baum gedrückt und zwei weitere Pfeile schlugen neben Syllvren in das Holz. Wütend packte Syllvren den Pfeilschaft eines der Pfeile und zog ihn mit einem ordentlichen Ruck aus seinem Oberarm. Diese Prozedur wiederholte er zwei Male und ließ die Pfeile daraufhin auf den Boden fallen. Allein schon anhand der Pfeilspitze wusste er, wem diese Pfeile gehören mussten. Es waren elfische Pfeile. Syllvren wollte gerade sein Schwert beschwören, als ein weiterer Pfeil in den Boden vor ihm einschlug. „Keine falsche Bewegung! Das nächste Mal treffe ich garantiert zwischen ihre Augen.“ Auf den Ästen der Bäume um sie standen mit einem Mal vier Elfen mit gespannten Bogen. Syllvren wusste, dass diese Baumkuschler keine Scherze machten. Immerhin waren sie die besten Bogenschützen auf diesem Kontinent und konnten eine fliegende Taube auf einen Kilometer durch den Kopf treffen. Aus dem Schatten eines weiteren Baumes erschien ein fünfter Elf. Seine Kleidung unterschied sich vollkommen von der, die die anderen trugen. Sofort schoss es Syllvren durch den Kopf. Sie waren von den Jägern umzingelt. Und selbst in Kendan war bekannt, dass der Prinz der Elfen eine solche Jagd anführte. Und genau selbiger Prinz stand nun vor ihnen. „Was für eine Ehre, den ehrenwerten Prinzen der Waldelfen persönlich anzutreffen. Womit habe ich dass nur verdient?“


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 27. Aug 2011, 20:55 
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Halbelfe
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Nein. Nein. NEIN! Jeder verfluchte Waldelf wäre Luna in diesem Moment recht gewesen. Jeder! Aber warum in Darks Namen musste ausgerechnet ER hier auftauchen?! Luna trat eilig einige Schritte zurück und dachte fieberhaft nach. Im Moment war die gesamte Aufmerksamkeit der fünf Elfen auf Syllvren gerichtet, was wohl Lunas Glück war. Oder auch Unglück, je nachdem, wie man es sah. Was hatte sich Syllvren überhaupt dabei gedacht, in die Seele des Waldes eindringen zu wollen?
Lunas Herz pochte laut gegen ihre Brust. Sie rechnete jeden Moment damit, dass der Elfenprinz seinen Blick ihr zuwenden würde und wenn sie dann nicht schnell handelte, war alles hinüber.
Mit einem Mal sprang eine der Jägerinnen von dem Ast, richtete ihren Bogen direkt auf Luna. „Ein Drow und eine Halbelfe“, Luna war sich nicht sicher, welches Wort sie mit mehr Abscheu aussprach, „in unserem Wald. Was habt ihr hier verloren?“
Luna hob die Augenbrauen. War es neuerdings so, dass die Jäger auf eigene Faust sprechen durften? Hatte nicht der Prinz immer das erste Wort, wenn es darum ging, direkt mit den Gefangenen zu sprechen? Der Elfenprinz warf der Elfe kurz einen undefinierbaren Blick zu und wandte dann seinen Blick Luna zu. Einen Moment stand er einfach nur da und blickte sie an. Luna konnte förmlich sehen, wie sein Gehirn das verarbeitete, was er sah. Natürlich war der Prinz nicht begriffsstutzig oder dergleichen, er war sogar erstaunlich klug, aber es musste für ihn mehr als nur merkwürdig sein, Luna außerhalb den Mauern Kendans zu sehen oder ohne Begleitung ihrer Mutter und einer Leibgarde.
Und plötzlich schossen seine Augenbrauen in die Höhe. Die Verwunderung war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und er öffnete bereits den Mund, um etwas unglaublich dummes zu sagen, als er unwillkürlich einen Schritt zurück ging und sich jeglichen Kommentar verkniff. Luna starrte den Prinzen mit ihrem tödlichsten und finstersten Blick an, den sie bis dato beherrschte. Er sagte so viel wie: „Ein Wort und ich bring dich um!“ Und zu seinem Glück, verstand der werte Prinz auch sofort, was der Blick bedeutete. Ansonsten wäre von Fujita, dem Prinzen der Waldelfen, in wenigen Minuten nicht mehr übrig geblieben als ein wenig Asche.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 28. Aug 2011, 09:21 
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Dunkelelf
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Nur aus seinem Augenwinkel bemerkte Syllvren die Reaktion des jungen Prinzen. Was auch immer Luna getan hatte, schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Jetzt war nur die Frage, wie sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommen sollten. Die drei Waldelfen, die immer noch mit ihren Bögen auf ihn zielten, schienen nur darauf zu warten, dass ihr Anführer ihnen das Zeichen gab, ihr Ziel mit Pfeilen zu spicken. Und auch wenn Syllvren diplomatisches Gerede einfach nur verabscheute, so war es bei den Baunkuschlern wohl die beste Wahl. Einen Kämpf würde er hier garantiert nicht überleben, ohne seinen Instinkten vollkommen nachzugeben.
„Wir sind nur auf Durchreise und Irren nun seit Stunden in eurem reizenden Wäldchen herum. Und ich weiß ja nicht, ob ich jetzt nur paranoid bin, aber mir scheint es fast so, als wollten uns eure Bäume umbringen.“ Das letzte Wort betonte Syllvren ein wenig intensiver und sprach es in einer Stimmlage, die eine halbe Oktave tiefer als sonst lag. Die Elfe, die sich vorhin eingemischt hatte, wollte gerade ihre Lippen öffnen, als Prinz Fujita ihr einen weiteren Blick zuwarf und sie sofort zum verstummen brachte. „Und dabei dringt Ihr in die Seele des Waldes ein? Habt Ihr überhaupt eine Ahnung, was Ihr hättet anrichten können?!“
Nein, Syllvren hatte keine Ahnung. Wahrscheinlich hätte er dem Baum das Leben genommen und ihnen einen Weg durch den Wald führen können. Was hätte aber sonst passieren können? „An eurem Gesichtsausdruck entnehme ich eindeutig, dass ihr wirklich keine Ahnung besitzt. Also werde ich es in ein paar Worten erklären: Die Seele des Waldes ist ein magisches Netz, was den ganzen Wald umfasst. Wenn es aus seinem natürlichen Gleichgewicht gerät, beispielsweise durch eine Aktion wie die eure, hat dies schwere Folgen für den ganzen Wald. Wir hatten es einmal, dass jemand versucht hat das Netz zu stören. Große Teile des Waldes starben ab, sämtliches Leben erlosch in ihnen.“
Der Prinz stand nun direkt vor Syllvren, schaute ihn mit seinen ausdrucksstarken, grauen Augen eindringlich an. Seine Worte kamen flüsternd von seinen Lippen. „Blutmagie ist Gift für diesen Wald. Ich rate euch daher in persönlicher Sache, dass ihr diese Art der Magie innerhalb des Waldes bei euch behaltet. Ansonsten verspreche ich euch, dass es mein Bogen sein wird, der eurem Leben ein Ende bereiten wird!“ Einige Augenblicke schaute er Syllvren noch in die Augen, ehe er sich abwandte und seinen Jägern mit einer Handbewegung etwas mitteilte. Sofort sprangen sie von ihren Ästen und umzingelten Syllvren, die gespannten Bögen auf ihn gerichtet. „Und nun zu euch, wehrte Halbelfe.“ Fujita stand nach kurzer Zeit direkt neben Luna, mit dem Rücken zu Syllvren schaute er sie fragend an. „Was in Alaanas Namen führt euch in die Wälder? Seid ihr des Lebens überdrüssig, alleine aus Kendan zu fliehen? Denkt ihr nicht, dass eure wehrte Mutter nicht schon nach euch suchen lässt?!“ Er flüsterte, wollte er nicht riskieren, dass ihr Blick noch Wirklichkeit wurde.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 28. Aug 2011, 10:42 
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Halbelfe
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Es war amüsant gewesen, mit anzusehen, wie Fujita Syllvren leise anschnauzte und sich die beiden Männer ungewollt einen heftigen Blickkampf geliefert hatten. Luna hätte beinahe laut geschmunzelt, konnte sich aber gerade noch zusammen reißen. Sie musste Fujita allerdings zustimmen. Es war töricht von Syllvren gewesen, Blutmagie in diesem Wald anzuwenden, in die Seele des Waldes eindringen zu wollen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Da Fujita ihn darauf hin gewiesen hatte, musste Luna Syllvren später bestimmt keine Predigt mehr halten.
Lunas Beinahe-Schmunzeln erstarb allerdings, als Fujita plötzlich direkt vor ihr stand und so leise flüsterte, dass sie ihn selbst kaum verstand. Luna warf einen Blick über Fujitas Schulter zu Syllvren, der nun umzingelt von den Jägern war und diese missmutig anstarrte und ab und an einen kurzen Seitenblick zu ihr und Fujita riskierte. Unwillkürlich fragte sie sich, was für einen Eindruck sie wohl machen mussten: Syllvren trug kein Oberteil und eine mächtige, frische Narbe prangte auf seiner dunklen Brust, Luna trug einen Reiseumhang, der ihr viel zu groß war und den sie eng um ihren Körper schlang. Sie beide waren verdreckt und blutverschmiert und ohne wirklich darüber nachzudenken, tastete Luna plötzlich nach ihrer Narbe an der Schulter, merkte, dass sie nicht verdeckt war und zog den Umhang darüber. Sie gaben eindeutig kein gutes Bild ab.
Langsam blickte Luna wieder in Fujitas graue Augen. Sie konnte ihm nicht offen antworten, nicht solange Syllvren in der Nähe war. Sie konnte und wollte es nicht riskieren, dass er erfuhr, wer sie war und sie dann wieder nach Kendan zurück schleppte. Dort würde sie im Moment kaum mehr erwarten, als eine ohrenbetäubende Predigt ihrer Mutter und der bevorstehenden Hochzeit mit diesem Hornochsen Marek.
„Nicht hier, Fujita“, raunte sie ihm leise zu. Es war ihr egal, wo sie nun hingehen würden, wo er sie ausfragen würde, solange Syllvren während des Gespräches an einem anderen Ort sein würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 28. Aug 2011, 11:25 
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Dunkelelf
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Es war nicht schwer zu verstehen, warum Luna seine Fragen nicht hier beantworten wollte. „Ein nettes Spiel treibst du da aber mit deinem Begleiter.“ Fujita schaute über seine Schulter in Richtung des Drows. Sein Äußeres hatte garantiert schon einmal besser Tage erlebt. Eine fast zerrissene Hose und eine breite und garantiert noch frische Narbe auf seiner Brust. Wo immer auch er diese Narbe her hatte, Fujita war sich sicher, dass sie aus einem Fehler im Kampf entstanden sein musste. „Zudem scheint er mir ja nicht wirklich der Schlauste zu sein, wenn er dich suchen soll.“ Sein Lachen unterdrückend ging der Elfenprinz einen Schritt zurück und musterte Luna für einige Augenblicke. Was auch immer auf ihrer Reise geschehen sein mochte, es hatte Spuren hinterlassen. Für diese Narbe würde Königin Salomé garantiert Köpfe rollen lassen. Den Kopf schüttelnd schritt er von Luna weg und ging auf die anderen Elfen zu. „Emerelle! Ich möchte, dass du die Jagd übernimmst. Ich werde die beiden Eindringlinge aus dem Wald begleiten.“ Die Elfe mit dem großen Mundwerk schaute verdutzt, schien einen Moment widersprechen zu wollen, ehe sie sich dann doch verneigte und mit den anderen Elfen wieder im Wald verschwand. Nun waren nur noch Luna, Fujita und Syllvren übrig. Und der Drow fühlte sich mit einem Mal wieder um einiges besser. Diese Pfeile, die auf ihn gerichtet waren, hatten ihm kein bisschen gefallen. „Eure wehrte Gefährtin hat mich über den Sinn eurer Reise aufgeklärt. Viele Waldelfen würde es sicherlich erfreuen, wenn die Prinzessin der Drows auf ewig verschwinden würde. Aber meine Mutter und ich hegen gute Beziehungen zum Königshaus eures Volkes. Daher könnt ihr euch glücklich schätzen, dass ich über eure Taten hinwegsehe.“
Syllvren schwieg. Dieser Elf machte ihn noch krank! Dieses hochgestochene Gerede… Und dann auch noch dieser herablassende Blick. Garantiert ging ihm gerade sonst was durch den Kopf. Wie gerne würde er ihm das Gegenteil in sein Hirn einprügeln. „Ich werde euch aus den Wäldern führen. Auf dem Weg wäre es aber angebracht, wenn ihr euch neu einkleiden würdet. Eure Reise scheint euch ja… mitgenommen zu haben.“
Fujita entfernte sich einige Schritte von Syllvren und blieb neben dem Baum stehen, an dem der Drow vor wenigen Augenblicken seine Magie angewandt hatte. „Folgt mir einfach.“


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 29. Aug 2011, 18:33 
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Halbelfe
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(--->Dorf im Wald)

Ihren Weg legten Luna und Syllvren schweigend zurück. Die Halbelfe hatte das Gefühl, dass Syllvren die gesamte Zeit leise Gebete an Dark vor sich hin murmelte und mit den Gedanken ganz woanders war. Leise meldeten sich Gewissensbisse in Luna zu Wort. Bestimmt bat er Dark, ihm bei der Suche nach der Prinzessin zu helfen, und malte sich in Gedanken die schlimmsten Szenarien für den Ausgang seines Unterfangens aus. Sollte er die Prinzessin wieder nach Kendan bringen können, würde er hoch angesehen werden und die Soldaten und Adeligen würden in ihm eventuell nicht mehr nur den Dreck der Gesellschaft sehen, der es seltsamerweise geschafft hatte, sich als Krieger zu beweisen. Sollte er mit leeren Händen zurückkehren…Allein der Gedanke an die Konsequenzen erschreckten Luna so sehr, dass ihr Herz für einen Moment aussetzte und sie über ihre eigenen Füße stolperte.
„Uff…“ Luna stützte sich vom Waldboden ab. Syllvren schien nicht einmal wirklich bemerkt zu haben, dass sie gefallen war. Wie aufmerksam er doch sein konnte…
Seufzend richtete sich Luna wieder auf und strich ihre Kleidung glatt. Dabei fiel ihr Blick auf eine auffallende Blume, die im Schatten eines Baumes stand. Ihre Blüten waren wunderschön und von einem klaren Blau durchzogen. Eigentlich wusste Luna ja, dass man sich vor Pflanzen, die man nicht kannte, fern halten sollte. Doch in diesem Moment setzte ihr Verstand völlig aus und sie ging auf die Blume zu, kniete sich neben sie und roch kurz an den Blüten. Im nächsten Moment „hustete“ die Blume sie an und sprühte ihr einen eigenartigen Staub ins Gesicht. Luna wurde ganz komisch, innerhalb von Sekunden verschwamm alles vor ihren Augen, ihr Kopf dröhnte und sie bekam kaum noch Luft. Hustend fiel Luna nach hinten. Sie hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl in ihrem Körper und in ihrem Kopf…

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 29. Aug 2011, 22:32 
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Dunkelelf
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Erst jetzt, als Luna nach hinten gefallen war, erwachte der Drow aus seiner Trance. Bis vor einen Augenblick war er in den tiefsten Tiefen seiner Gedanken verschwunden, hatte eigentlich nur sich ausgemalt, was Königin Salomé mit ihm anstellen würde. Und der Gedanke der Folter war da noch der angenehmste.
„Luna? Ist alles okey mit dir? Du siehst so blass aus.“ Der Drow streckte seine Hand aus, wollte der Halbelfe beim Aufstehen helfen. Beinahe sofort schlug sie selbige weg, richtete sich mit einem wütenden Glanz in den Augen auf und fixierte Syllvren mit einem tödlichen Blick. Verwunderung machte sich in seinem Gesicht breit. Lunas Augen schienen glasig, ihr Gesicht war blass und nur ein hauchzarter, rötlicher Schimmer lag auf ihren Wangen. „Und bei dir ist wirklich alles in Ordnung?“
„Sei einfach still, okey?!“ Die Halbelfe schnauzte ihn förmlich an und stapfte daraufhin direkt an Syllvren vorbei. Jedoch wollte er nicht still sein. Irgendwie kam ihm Luna komisch vor. Also eilte er hinterher, packte ihre Schulter und fing sich sofort einen weiteren Todesblick ein.
„Luna, ich merke doch, dass irgendwas nicht stimmt. Also, was ist los?“ Stille kehrte ein, ehe die Halbelfe mit einem Mal den Drow beim Arm packte und ihn erneut wütend anfunkelte.
„Oh, ich hasse es! Ich hasse es, ich hasse es, ich hasse es! Wie ich es hasse! Ich kann schon ganz deutlich hören, was meine Mutter sagen wird, wenn sie von all den Geschehnissen erfahren hat!“ Luna holte kurz tief Luft und ahmte dann die Stimme ihrer Mutter nach; besorgt und streng zugleich.
„‚Luna, ich habe dir immer gesagt, dass du Kendan nicht ohne Begleitung verlassen sollst! Du hast noch keine Ahnung, von der Welt da draußen und den Gefahren, die dort lauern! Dir hätte was weiß ich alles zustoßen können! Schau doch nur mal, in was für Gefahren du gesteckt hast! Du standest einem Golem gegenüber, der dich hätte zermatschen können oder in die Lava hätte werfen können! Und dann wäre ich jetzt ohne Tochter! Diese Naga hätte furchtbare Sachen mit dir anstellen können, weißt du überhaupt, was für ein Glück du hast?! Und dann auch noch dieser Werwolf! Es ist unverantwortlich von dir, mit so einem gefährlichen Monster durch die Gegend zu ziehen! Du siehst ja selbst, wie gefährlich er ist! Schau dir nur einmal deinen Hals an! Und dann irrst du auch noch sinnlos durch einen Wald, in dem jedes einzelne Blatt dir feindlich gesinnt ist, solange du mit diesem Ding da unterwegs bist!“ Luna schrie wütend auf und stieß Syllvren zur Seite. Was war nur mit einem Male in sie gefahren? Hatten die vergangenen Ereignisse und der Wald sie nun wahnsinnig gemacht? War es ein Plan der Elfen? Syllvren wollte gerade seine Stimme erheben, als Luna weiter sprach.
„Es wäre ihr scheiß egal, was ich alles erlebt habe! Vermutlich würde für sie nur zählen, wie mein Verhalten denn auf die anderen wirken würde! Einfach von zu Hause aus zu büchsen, obwohl ein wichtiges ‚Fest‘ bevorsteht! Meine Mutter wäre auch von zu Hause abgehauen, wenn sie gezwungen worden wäre, so einen Vollidioten zu heiraten! Dabei will ich doch nichts anderes, als glücklich sein!“ Ruhe kehrte wieder ein. Luna schnaubte wild, starrte wütend auf den Boden. Im Gegensatz zu ihr verstand Syllvren die Welt nicht mehr. Warum war sie so wütend? Und warum in Darks Namen regte sie sich mit einem Mal so über ihre Mutter auf? Was für ein Fest stand bevor? Syllvren verstand nichts. So viele Fragen stellten sich ihm in den Weg und er wusste nicht, mit welcher er am besten anfangen sollte.
„L-Luna… Was…?“ Doch das Schicksal spielte weiterhin sein perfides Spiel mit ihm, gab ihm keine Möglichkeiten, passierte vom einen Moment auf den anderen etwas, womit der Drow nie gerechnet hätte. Urplötzlich änderte sich Lunas Laune. Von dem schäumenden Temperament war keine Spur mehr übrig, als sich mit einem Mal Tränen ihren Weg über ihre Wangen bahnten.
//Was in Darks Namen?!// Wie angewurzelt blieb der Drow stehen. Es dauerte einige Augenblicke, bis er sich aus dieser Starre gelöst hatte und den Schritt auf die Halbelfe machte. Weiterhin etwas unsicher nahm er sie in die Arme, drückte ihren Körper sanft an sich und strich langsam und beruhigend ihren Rücken hinauf und hinunter.
„Alles ist gut, Luna“, flüsterte er in ihr Ohr. Schluchzend vergrub sie ihren Kopf in seiner Schulter, ehe sie mit zittriger Stimme anfing zu sprechen.
„Ich weiß ja, dass ich egoistisch bin und nur an mein Wohlbefinden denke. Würde ich mehr an andere denken, wäre ich vermutlich gar nicht erst aus Kendan geflüchtet, sondern hätte mich meinen Pflichten gestellt. Ich bin ein verdammter Feigling! Ich renne durch das ganze Land, immer weiter von Kendan weg, nur um nicht das tun zu müssen, was man von mir verlangt! Ich werde nie in die Fußstapfen meiner Mutter treten können, so selbstbezogen, wie ich bin!“ Ein langgezogenes Schluchzen entrann ihrer Kehle. Mit verweinten Augen blickte sie ihm entgegen, immer noch mit diesem merkwürdigen Glanz in ihren Augen.
„Und was ich dir antue ist überhaupt nicht rechtfertigbar! Ich bin so eine furchtbare Person! Ich schleife dich mit mir durch das Land und habe ein Geheimnis vor dir, für das du mich hassen wirst, wenn du es erfährst!“ Erneut schluchzte sie, holte einen Moment tief Luft.
„Ich tue dir weh und du weißt es nicht einmal. Den besten und wohl einzigen Freund, den ich je hatte, habe ich nur, weil ich ihn anlüge. Ich hab dich so gern, Syllvren! Ich kann es nicht ertragen, daran zu denken, was passieren wird, wenn du von meinem Geheimnis erfährst. Du wirst mich hassen! Und du hast alles Recht der Welt dazu, mich zu hassen! Aber ich will nicht, dass du mich hasst! Nicht du…! Nicht du…Syllvren…“ Die Welt um ihn herum war für den Drow verschwunden. Das Schluchzen der Halbelfe wurde leiser und verstummte nach einiger Zeit. Ein riesiger Stein fiel ihm vom Herzen, als Luna sich wieder beruhigt hatte. Er konnte sich nicht einfach ansehen, wie seine Gefährtin in einem so miserablen Zustand war. Dennoch machten die Sätze und die plötzliche Stimmungsschwankung einfach keinen Sinn. Von was für einem Geheimnis redete sie da? Hatte sie vielleicht wirklich den Verstand verloren und redete jetzt Dinge, die alle vollkommen sinnlos waren? Warum sollte Luna ihn anlügen? Oder gab es vielleicht doch irgendwas, was sie ihm verschwieg? Aber warum sollte er sie dann hassen? Sie hatte doch so viele Dinge für ihn getan. Da konnte er sie nie und nimmer hassen!
„Lu…“ Die Halbelfe ließ ihn erneut nicht zu Worte kommen. Vollkommen unerwartet stieß sie Syllvren zu Boden. Sein Rücken knallte gegen einen Baum, der direkt hinter ihm stand. Es war keine angenehme Landung gewesen und Syllvren wollte sich gerade wieder aufrichten. Doch Luna machte ihm wieder einen Strich durch die Rechnung. Mit einer Eleganz, die er noch nie vorher gesehen hatte, setzte sie sich auf seinen Schoß, nahm ihm somit jede Möglichkeit sich wieder aufrichten zu können. Vollkommen verwundert starrte Syllvren in ihre Augen. Den merkwürdigen Glanz konnte der Drow in ihrem verträumten Blick vergeblich suchen. Es fiel schwer nicht in diesen Augen zu versinken. Wie schaffte Luna das nur? Verzauberte sie ihn wie Feritas? Nein, dass war es eindeutig nicht. Jetzt war er bei seinen Sinnen und würde jede Art eines Zaubers spüren. Und Luna nutzte in diesem Moment keine Magie. Zumindest keine übernatürliche Magie. Die warme Berührung ihrer Hände, die sich auf seine Wangen legten, bescherte ihm einen warmen Schauer, der durch seinen ganzen Körper wanderte. Ihre Finger strichen über seine Narbe und sendeten bei dieser sanften Berührung weitere Schauer durch seinen Körper. Wie warmer Sommerregen fühlten sie sich auf seiner Haut an. Syllvren hielt den Atem an, als ihre Finger zu seinen Lippen wanderten und ihr Zeigefinger dort verweilte. Gefangen in ihren Augen fühlte er sich mit einem Mal so hilflos wie schon lange nicht mehr. Die Situation überforderte ihn ein wenig. Und allein der Gedanke, der sich langsam in sein Bewusstsein schlich, schien nichts Gutes zu verheißen.
Luna hielt inne, ihre tiefen Seen blickten tief in die seinen. Ihm kam es schon fast so vor, als wollte sie durch seine Augen in seine Seele blicken. Die Zeit blieb für ihn stehen, sein Herz schlug in Zeitlupe. Und dann setzte es für den Bruchteil eines Augenblicks aus. Geschockt von der Bewegung, die Luna innerhalb eines Wimpernschlages durchführte. Ihre Hände umfassten sein Gesicht, zogen seinen Kopf zu ihr. Ihre Lippen berührten sich und Luna verwickelte ihn, ohne eine Spur von Scheu, in einen leidenschaftlichen Kuss. Ein Kuss, der seinen Körper mit tausenden von Gefühlen überflutete und überforderte. Im ersten Moment weigerte er sich noch auf die Berührung der Halbelfe einzugehen, doch ihre Lippen hat seine Gegenwehr schnell weggeschwemmt. Instinktiv und in einer flüssigen Bewegung zog er die Halbelfe enger an sich, ließ den Kuss immer feuriger und feuriger werden. Ein Feuerwerk entzündete sich in seinem Inneren, während er weiterhin wild von ihren Lippen kostete. Doch so schnell wie es sich entzündet hatte, war es auch wieder verschwunden. Luna entfernte ihr Gesicht ein wenig von dem Syllvrens, blickte tief in seine blauen Augen und schmiegte schließlich ihren Kopf an seinen Hals.
„Hass mich nicht…“, hauchte sie, ehe ihr die Augen zufielen. Sie war von einer Sekunde zur anderen eingeschlafen. Zurück blieb ein irritierter Syllvren, der mit weit aufgerissenen Augen und leicht geöffneten Lippen da saß. Auf seinem Körper liegend schlief eine wunderschönes Halbelfe, dies ihn vor einem Augenblick noch geküsst hatte. Was war nur in sie gefahren? Das Gefühl von ihrem Atem, welcher gegen seinen Hals hauchte, ließ ihn erschaudern. Es fühlte sich fast so an, als würden ihre Lippen seine Haut berühren, so nahe waren sie. Dieselben Lippen, die bis eben noch die Seinen berührt hatten. Wie in Trance strich er mit Zeige- und Mittelfinger über seine Unterlippe. Der feine Geschmack von Waldbeeren und etwas anderem, was er nicht beschreiben konnte, lag auf ihr. Es war der Geschmack ihrer Lippen. Er hatte etwas Betörendes an sich, was seinen Verstand innerhalb von wenigen Sekunden überwältigen konnte. Und erst jetzt schien ihm klar zu werden, was soeben geschehen war. Er hatte sich gerade mitten im Wald mit Luna geküsst. Mit der Halbelfe, die ihn nun schon seit langem auf seinen Reisen begleitete.
„Im Namen von Dark…“ Tausende Fragen schwirrten ihm durch den Kopf, sorgten dafür, dass sein Verstand langsam müde wurde. Die Müdigkeit breitete sich in seinem Körper aus und sorgte schließlich dafür, dass auch er in einen traumlosen Schlaf entglitt. Die Halbelfe weiterhin in seinen Armen, dicht an seinen Körper gedrückt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 30. Aug 2011, 21:15 
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Halbelfe
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//Es war nur ein Traum!//, dachte Luna krampfhaft, als sie am nächsten Morgen aufwachte und teils vage, teils sehr lebhaft die Erinnerungen an den vorherigen Abend in ihr hoch kamen. Immer noch spürte sie Syllvrens Lippen auf den ihren… //Es war nur ein Traum!//, dachte sie noch einmal, doch eigentlich wusste Luna genau, dass es keiner gewesen war. Dazu spürte sie viel zu sehr, wie Syllvren sie an sich drückte, seinen starken Körper unter sich und Syllvrens gleichmäßigen Atem auf ihre Stirn.
Zaghaft öffnete Luna die Augen und machte sich einen Überblick von der Situation. Syllvren schlief noch, hatte seine Arme um sie gelegt. Im Wald wurde es allmählich wieder hell. Luna glaubte in einiger Entfernung die tückische Blume vom Vorabend zu sehen. Unschuldig stand sie im Schatten ihres Baumes und schien selig vor sich hin zu lächeln. Nie wieder würde Luna Blumen trauen!
Vorsichtig wand sich Luna aus Syllvrens Umarmung, bemüht darum, ihn nicht zu wecken. Als sie endlich wieder frei war, atmete sie erleichtert auf, setzte sich unter einen Baum gegenüber von Syllvren.
//Das ist eine Katastrophe! Ich kann ihm das alles unmöglich erzählt haben! Ich kann mich ihm gegenüber unmöglich so über meine Mutter ausgelassen haben! Was soll er denn jetzt von mir denken?//
Noch mehr war Luna jedoch darüber bestürzt, dass sie Syllvren all ihre Sorgen ihn bezüglich anvertraut hatte. Was war, wenn er fragen würde, was sie gemeint hatte? Sollte sie dann so tun, als erinnere sie sich nicht an was sie gesagt hatte? Oder sollte sie ihm dann doch die Wahrheit sagen…?
Was Luna aber noch viel mehr aufwühlte, war der Kuss. Er war ihr noch so klar in Erinnerung, als ob sie in jenem Moment bei klarem Verstand gewesen wäre…Und der größte Schock war für Luna, dass sie sich nicht entscheiden konnte, ob ihr der Kuss unangenehm sein sollte oder ob sie ihn vielleicht wirklich genossen hatte!
Was sich Luna aber noch viel mehr fragte, war, was Syllvren wohl zu all dem denken musste…

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 31. Aug 2011, 19:55 
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Dunkelelf
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Bilder flossen in seinem Kopf entlang. Das merkwürdige Gefühl eines Kribbelns in seinem Bauch, gepaart mit einem lauten und intensiven Herzschlag. Und mittendrin war Luna.
Der Traum war plötzlich gekommen, hatte sich in einer Deutlichkeit dargestellt, die es schwer machten, ihn von der Realität zu unterscheiden. Er war beinahe real gewesen. Noch immer spürte er deutlich ihren Atem auf seinem Hals, obwohl sein Körper durchaus bemerkt hatte, dass sie sich aus seiner Umarmung gewunden hatte. Für Syllvren war es unmöglich zu sagen, was von all den Dingen, die durch seinen Kopf gingen, nun Realität oder Fiktion war. Klar war ihm dennoch, dass dieses Bauchgefühl durchaus da war. Keine Einbildung seiner Gedanken, es war eindeutig sein Herz, was dort so heftig pochte. Doch wenn der Drow einige Zeit nachdachte, kristallisierte sich der Teil seiner Gedanken, die wirklich geschehen waren, aus, sodass er darüber nachdenken konnte. Drei Phasen waren es gewesen, in denen Luna scheinbar völlig den Verstand verloren hatte. Es schien so, als wäre sie nicht bei Sinnen gewesen, in einer vollkommen anderen Welt. Fast schon so, als hätte sie geträumt. Es würde erklären, dass all die Dinge, die Luna ihm erzählt hatte, so seltsam und merkwürdig waren. Denn ohne diese Erklärung konnte Syllvren kaum erklären, warum sie sich so merkwürdig benommen und ihn schließlich einfach so, ohne einen Gedanken überlegt zu haben, geküsst hatte. Problematisch wurde es da nur, dass bei all diesen Gedanken sich vier Dinge hervorstachen. Ihr Gesicht, mit den leicht erröteten Wangen. Die smaragdgrünen, verschleierten Augen. Der intensive und leidenschaftliche Kuss. Und natürlich der überaus süße Geschmack ihrer Lippen, welcher sich in seine Gedanken eingeprägt hatte. Und dazu gesellten sich dann auch noch dieser laute Herzschlag und das Kribbeln in seinem Bauch, welches bei den Gedanken wieder stärker geworden war. //Was ist nur los mit dir?// Er war verwirrt, wusste nicht, was nun richtig war, zu denken.
Langsam öffnete er seine Augen. Es dämmerte erst gerade, das Sonnenlicht zeichnete sich leicht durch die dichten Baumkronen ab. Und direkt von diesem Spiel aus Licht und Schatten fiel sein Blick auf Luna, welche nicht weit von ihm saß. Sie schien seinen Blick schnell entdeckt zu haben, erwiderte sie ihn doch schnell. Und Syllvren sprach direkt die Frage aus, die er geklärt haben wollte. „Was ist nur gestern passiert?“


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 27. Sep 2011, 16:56 
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Halbelfe
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Warum? Warum musste er ausgerechnet die Frage stellen, die Luna so gerne umgangen wäre? Aber sie musste zugeben, dass es eine sehr berechtigte Frage war. Vor allem für Syllvren. Luna konnte sich vorstellen, was passiert war. Diese verdammte Blume hatte sie mit irgendeinem Staub angehustet, der ihr einige unangenehme Stimmungsschwankungen verpasst hatte. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen, dass sie nur ungerne je wiederholen wollte.
„Ich…“, begann Luna unsicher. Wo sollte sie anfangen? Vielleicht war es das Beste, wenn sie sich eine möglichst pragmatische Erklärung einfallen ließ und Abstand zu dem Kuss nahm. Ja, das war wohl die beste Lösung. „Der Staub von der Blume dort, den ich eingeatmet hatte, muss mich durch ziemlich viele Gefühlszustände gebracht haben. Ich war nicht ganz bei Sinnen gewesen. Ich kann mich kaum daran erinnern, was alles passiert ist“, sagte sie, bemüht ruhig zu wirken und sich die letzte Lüge nicht anmerken zu lassen.
„Möchtest…Du mich vielleicht aufklären? Meine Erinnerungen sind noch immer ein wenig vernebelt und ich kann mir nicht ganz erklären, wieso ich auf die geschlafen habe.“ Sie hätte es bei der Erklärung belassen können, natürlich. Aber es bereitete ihr plötzlich doch eine diebische Freude, Syllvren diese Frage zu stellen, mit einem unschuldigen Gesichtsausdruck. Sie war ja gespannt, was für eine Erklärung er ihr liefern würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 27. Sep 2011, 17:45 
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Dunkelelf
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Eine Blume sollte der Auslöser gewesen sein? Eigentlich klang das nach einer irrsinnigen Erklärung. Aber nachdem dieser verfluchte Wald nun schon mehrmals versuchte hatte ihn umzubringen, konnte eine kleine, unscheinbare Blume garantiert der Auslöser für solche Gefühlszustände sein. Dass sie nicht ganz bei Sinnen gewesen war hatte der Drow schon eindeutig gemerkt. Warum sonst sollte Luna ihn denn auch einfach so küssen und solch merkwürdige Dinge erzählen?
„Du kannst dich nicht erinnern?“ Seine Stimme klang ruhig, nach außen drang kein Stück seiner Zweifel. Irgendwie konnte er es nicht glauben, dass Luna kaum etwas bemerkt hatte. Dennoch… Der einzige Weg, wie er sich eigentlich ganz sicher sein konnte, war, dass er selbst den Staub dieser Blume einatmen müsste. Einige Augenblicke ruhte sein Blick auf der kleinen Pflanze. Nein, das ging nun mal überhaupt nicht! Die Risiken im Hinblick auf eine Wiederholung dieses Vorfalles von seiner Seite waren unverzeihlich. Und wer wusste schon genau, wie er reagieren würde. Also blieb ihm nichts anderes übrig als Luna seinen Glauben zu schenken und ihr zu vertrauen. Nur ihre Nachfrage nach Aufklärung stieß ihm sauer auf. Warum wollte sie jetzt genau wissen, was passiert war? Und wie würde sie die Wahrheit verkraften? „Ich denke, dass du selber den Nebel um deine Erinnerung durchstechen solltest. Ich kann dir nur sagen, dass du sehr… anhänglich warst, bevor du auf meinem Körper eingeschlafen bist.“


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Elfenwälder
BeitragVerfasst: 29. Mär 2012, 22:22 
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Halbelfe
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So, er wollte ihr also nicht verraten, was sich am gestrigen Tage abgespielt hatte. Er musste ja nicht wissen, dass Lunas Erinnerungen trotz ihres vorher vernebelten Verstandes erstaunlich klar waren. Es war jedoch vermutlich besser für die anstehende Reise, wenn Syllvren nicht wusste, dass Luna sich an alles erinnern konnte. Es bestand die Gefahr, dass in einem solchen Falle eine recht unangenehme Spannung zwischen ihnen entstehen könnte.
Um weiteren Fragen zu entgehen, sprang Luna auf und klopfte sich die Kleidung ab. „Dann werde ich wohl hoffen müssen, dass meine Erinnerungen an den gestrigen Tag sich alsbald wieder lichten. Vielleicht ergibt sich das ja auf unserem langen Weg nach Morday. Und falls ich dir zu nahe getreten sein sollte, während meine Sinne vernebelt waren, dann muss ich mich dafür entschuldigen. Ich habe nie beabsichtigt, dich in eine dir unangenehme Situation zu bringen“, sagte sie, wobei ihre letzten zwei Sätze sehr leise waren. Auf den gestrigen Abend bezogen mochte diese Aussage zwar stimmen, doch wenn Luna ehrlich war, so brachte sie Syllvren doch mutwillig in eine für ihn sogar tödliche Situation, sollte sie sich ihm nicht als Prinzessin von Kendan enthüllen.
Doch Luna wollte nicht schon wieder über jenes Thema nachdenken, welches sie beinahe depressiv machte und ihr letztendlich mehr Schuldgefühle bereitete, als vielleicht notwendig waren. Ihr war bewusst, dass Syllvren eines Tages von ihrer wahren Identität erfahren würde und dass er nicht besonders erfreut reagieren würde, schließlich hatte sie ihn über den gesamten Kontinent getrieben und in ihm die Sorgen geweckt, dass er möglicherweise von seinen Landsleuten aufgrund einer fehlgeschlagenen Mission hingerichtet werden könnte. Es würde sich alles klären und egal auf welche Art und Weise, die aufkeimende Freundschaft zwischen ihr und Syllvren würde danach wohl nicht mehr existieren. Luna musste sich damit abfinden und lieber die Zeit, die ihr bis zu jenem undatierten Tag blieb, möglichst sinnvoll nutzen und genießen und nicht unsinnigen Gedanken hinterher hängen.
„Also, Syllvren, je eher wir wieder aufbrechen, desto früher kommen wir in Morday an.“

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