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 Betreff des Beitrags: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 11:12 
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Dunkelelf
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Kurz hatte Syllvren seine Augen geschlossen, nur um innerhalb eines Wimpernschlages an einem vollkommen anderen Ort zu sein. Er würde sich garantiert niemals an diese spontanen Raumsprünge gewöhnen. Aufmerksam blickte sich Syllvren um. Er stand auf einer leeren Straße, nicht weit von ihm entfernt stand ein Gebäude, welches ihm doch sehr bekannt vorkam. Dark hatte ihn doch tatsächlich zu der Kaserne geschickt, in welcher er ausgebildet worden war. Sein Zuhause, wenn man die Einzelbaracke so nennen durfte. Hier hatte er die meiste Zeit seines Lebens verbracht, nachdem die Werwölfe die Unterstadt angegriffen hatten. Solange Luna nun bei ihrer Mutter war, musste Syllvren ein wenig auf Abstand bleiben. Innerhalb der Mauern von Kendan war es nicht so einfach für einen Slumdog wie ihn sich in der Nähe der Prinzessin aufzuhalten. Eigentlich war es ihm sogar unmöglich, wenn er darüber nachdachte. Deswegen waren sie ja auch aus Kendan geflohen – weil ihre Liebe innerhalb der Mauern keinen Bestand hatte.
Seufzend setzte sich der Drow in Bewegung. Solange sich die Lage nicht ändern sollte und Luna ihn nicht kontaktierte, würde er wohl oder übel in der Kaserne seinem Alltagsleben wieder nachgehen müssen. Wie es wohl den Leuten aus seiner Einheit in der Zwischenzeit ergangen war? Viele waren vermutlich schon gar nicht mehr am Leben.
Sämtliche Augen lagen auf ihm, als er den Trainingsgrund betrat. Er spürte sie, die verhassten Blicke. Wie sie ihn mit all ihrer Abneigung anschauten und wahrscheinlich in Gedanken gerade die übelsten Beleidigungen aussprachen. Diese Dinge würden sich garantiert nie ändern.
„Sieh mal einer an. Wenn dass nicht unser dreckiger Gaur ist. Wir haben eigentlich gehofft, dass du auf seiner Reise von irgendeinem Dämon in Stücke zerrissen worden bist. Wie schade, dass dem nicht so ist.“ Ein Drow, welcher eine edle, schwarze Rüstung trug löste sich aus den Massen und trat auf Syllvren zu. Innerlich fluchte selbiger. Warum musste ausgerechnet er heute in der Kaserne sein?! Valas, Sohn eines blaublütigen Adelsmannes und Unteroffizier der ersten Einheit. Neben Leutnant Vorn wohl einer der Soldaten, die Syllvren am meisten hasste. Einfach, weil er aufgrund seiner Machtstellung und nicht wegen seines Könnens zum Unteroffizier ernannt worden war. Zu ihm gesellte sich noch ein weiterer Drow in teurer Rüstung, ein weiter Adelssohn.
„Ich erfreue mich auch, dass es euch gut ergangen ist, Valas. Hätte vermutet, dass ihr mit eurem so wundervollen Können im Schwertkampf euch selber getötet habt. Wie sehr man sich doch täuschen kann.“ Ohne auch nur eine Sekunde länger auf den Adelssohn einzugehen, schritt Syllvren auch gleich an ihm vorbei und setzte seinen Weg zu seiner Baracke fort. Seine Ohren vernahmen zwar noch so einige Schimpftiraden aus Valas’ Richtung, aber es waren nur die üblichen Beleidigungen, die ihm sowieso schon nicht mehr interessierten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 13:27 
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Dunkelelf
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Die Tage verstrichen elendig langsam, als ob ein Zauber gewirkt worden wäre, der sein Zeitempfinden manipulierte. Syllvren hatte keine einzige Sekunde das Gelände der Kaserne verlassen. Innerlich quälte ihn die Ungewissheit, wie es Luna in der Zwischenzeit ergangen war. Schon ein wenig ironisch, dass er sich um jemanden Sorgen machte. Vor seiner Mission war es ihm das Ergehen anderer Wesen relativ egal gewesen. Selbst die Drow aus seiner Einheit, mit welchen er schon mehrere Male Seite an Seite gekämpft hatte, hatten seine Gedanken noch nie so belastet. Gut, hier ging es auch um etwas anderes, immerhin war der Tod allgegenwärtig, sodass man keine zu starken Bindungen innerhalb einer Einheit einging. Vertrauen reichte hier vollkommen aus.
Still in seiner Baracke hatte Syllvren jedoch nicht gesessen. Er war jeden Tag für mehrere Stunden in die große Trainingshalle gegangen, welche unterhalb der Kaserne lag. Dort hatte er meistens, fern der Augen anderer Soldaten, an seinen Fähigkeiten am Schwert gefeilt oder ein wenig mit seiner Magie gearbeitet. Auch das Heraufbeschwören von Illusionen, welches Luna ihm in den grundlegenden Aspekten nähergebracht hatte, übte er fleißig. Einfache Zauber zur Manipulation des Wahrnehmbaren, sowie Trugbilder gelangen dem Drow schon mit ein wenig Mühe. Er war zufrieden mit seinen Fortschritten, auch wenn er noch viel weiter kommen wollte.
Selten war es, dass jemand die Steintreppen hinabstieg und ihm beim Training zusah. Stets, wenn er hier unten war, traute es sich wirklich niemand einen Schritt in die Halle wagen. Wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass Syllvren seine Aura nicht unterdrückte, sondern stets freiem lauf ließ. Wenn er eines gelernt hatte, dann war es die Tatsache, dass alle Wesen auf die entfesselte Aura eines Werwolfes mit Furcht reagierten. Daher war es auch wichtig, dass er seine Aura so gut wie möglich unterdrücken musste, wenn er sich unter anderen Wesen befand. Anfangs war dies keine einfache Aufgabe gewesen, aber inzwischen machte Syllvren dies Instinktiv, ohne auch nur darüber nachzudenken. Wenn aber trainierte und alleine war sah er keinen Anlass dazu, weiterhin seine Aura zu unterdrücken. Er musste sich immerhin vor niemanden verstecken und wollte auch nicht, dass ihm jemand zu Nahe kam.
Nach einigen Stunden des Trainings verließ Syllvren schließlich erneut die Trainingshalle. Er war erschöpft vom intensiven Training und wollte sich eigentlich direkt in sein Feldbett legen. Als er dann schließlich die Halle verließ und einen Fuß auf den Trainingsgrund gesetzt hatte, wurde ihm sofort klar, dass er wohl nicht direkt in seine Baracke gehen konnte. Eine große Traube an Soldaten verschiedenster Einheiten hatte sich um den Eingang zur Trainingshalle versammelt und versperrten ihm den Weg. Ein genervtes Knurren verließ seine Kehle.
„Habt ihr nichts anderes zu tun als im Weg herum zu stehen?!“ Kurz überlegte Syllvren, was er machen könnte. Geduldig warten, dass sie verschwinden, war keine Lösung. Vielleicht seine Aura nutzen? Nein, dafür würde er garantiert einen Vortrag von Leutnant Vorn vorgetragen bekommen – etwas, auf was er liebend gerne verzichten konnte.
„Halt ein verfluchtes Maul, Gaur!“ Die Menge teilte sich und Valas schritt durch den freigewordenen Gang auf Syllvren zu. Begleitet wurde er wieder von seinem adligen Freund. Merkwürdig, dass er sein Gesicht noch nie vorher hier gesehen hatte. Musste neu in der Armee sein.
„Valas. Was verschafft mir die Ehre?“, knurrte Syllvren. Er war schon jetzt heftig angepisst von diesem dreckigen Adelsblut. Leider wusste er, dass er, wenn er keinen Ärger haben wollte, ihn einfach ignorieren musste. Besonders einfach machte Valas ihm es ja leider nicht.
„Ich sagte, du sollst dein verfluchtes Maul halten!“ Mit einem Mal standen zwei Soldaten hinter Syllvren, packten ihn bei den Armen und hielten ihn fest. Syllvren versuchte sich sofort loszureißen, als er mit einem Mal ein stumpfes Klopfen vor sich auf dem Boden hörte. Instinktiv blickte er auf und sah gerade noch, wie eines der hölzernen Trainingsschwerter auf ihn zurauschte. Der Schmerz setzte augenblicklich ein, als das Schwert mit voller Wucht in seine Bauchregion schlug. Immer wieder schlug Valas zu. Mehrfach gegen seinen Bauch, aber auch auf Beine, Brust und Schultern. Wie wild versuchte sich Syllvren aus dem Griff der zwei Soldaten zu befreien, aber jedes Mal durchzuckte ihn eine weitere Welle des Schmerzes. Dann folgte ein weiterer Schlag, diesmal auf seinen Schädel gezielt. Etwas Warmes floss Syllvrens Schläfe hinab, tropfe schließlich auf den Boden. Mit einem Mal wurde der Griff gelöst und Syllvren sackte auf die Knie.
„Seht euch nur diesen Gaur an! Wie elendig er dort unten auf dem Boden kniet!“ Das laute Lachen Valas echote in seinem Kopf umher, gefolgt vom Lachen einiger Soldaten.
„Wie wäre es, wenn ich ihm seinen schönen Schädel zertrümmere? Niemand wird ihn wirklich vermissen.“ Schwer atmend blickte Syllvren auf. Anstatt eines Holzschwertes hatte Valas nun einen schweren Holzknüppel in seiner Hand. Beinahe schon vorsichtig hob er ihn an, berührte Syllvrens Wange mit ihm.
„Grüß Dark von mir, wenn du ihn sehen solltest…“ Bisher hatte Syllvren alles über sich ergehen lassen. Die Schmerzen waren zwar nicht schön gewesen, aber sie waren ertragbar. Aber niemals würde er es einfach tatenlos geschehen lassen, dass ihn Valas mit einem Knüppel den Kopf zerschmetterte! Wut kochte in ihm hoch, verlieh seinem Körper neue Kraft. Augenblicklich griff Syllvren nach der schlummernden Kraft tief in ihm. Eigentlich wollte er es ja nicht soweit kommen lassen, aber ihm blieb keine andere Wahl.
Schlagartig öffnete der Drow seine glühenden Augen, hob seine Hand und fing den Knüppel mit selbiger ab. Ein tiefes Knurren verließ seine Kehle. Valas starrte mit angsterfüllten Augen in Richtung des Drows, während die anderen Soldaten einen Schritt zurückwichen. Langsam richtete sich Syllvren auf, seine Hand hatte den Knüppel umgriffen und riss ihn mit einer einfachen Handbewegung aus Valas’ Händen.
„Du w-würdest es nicht wagen, einen Adligen anzugreifen..“ Seine Angst spiegelte sich in seiner Stimme wieder, was Syllvren gefiel. Wie schnell sich das Blatt doch zu wenden vermochte.
„Warum finden wir es nicht einfach heraus?“ Valas wollte weglaufen, als er bemerkte, dass seine Füße in Eis gefesselt worden waren. Panisch huschten seine Augen umher, als Syllvren sich vor ihm aufgebaut hatte und mit seiner Hand nach seinem Hals griff, ein wenig zudrückte. In diesem Moment dachte er nicht einmal daran, seinen Griff zu lockern. Am liebsten würde er jetzt kräftig zudrücken und Valas’ Hals unter seiner Hand zerquetschen. Oder einfach sein Lebenslicht aus seinem Körper ziehen. Etliche solcher Gedanken gingen durch seinen Kopf, einer verlockender als der Nächste.
„Syllvren! Lass ihn sofort los!“ Eine Hand packte sein Handgelenk, drückte kräftig zu. Ein wenig erschrocken zuckte Syllvrens Augen zu der Person, die sich direkt neben ihn aufgebaut hatte. Augenblicklich ließ der Drow locker, seine Augen nahmen ihre normale Farbe wieder an. Valas sackte zu Boden, japste heftig nach Luft.
„H-Hauptmann Nym…“ Syllvren fühlte sich unter dem Blick des großgewachsenen Drows wie ein kleiner Welpe, der gerade etwas ausgefressen hatte. So fühlte sich wohl jeder, der diesen Blick von Hauptmann Nym ertragen musste.
„Nimm ein bisschen Haltung an. Oberbefehlshaber Kistan will dich auf der Stelle sehen!“ Kistan wollte ihn sehen? Der Gatte der Königin? Dies konnte nichts Gutes für Syllvren bedeuten. Syllvren schluckte trocken, nickte einmal und folgte seinem Hauptmann schließlich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 14:19 
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Dunkelelf
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Da saß er also, direkt vor Kistan, dem Oberbefehlshaber der Armee. Der Anlass dafür, dass er Syllvren zu sich gerufen hatte, wusste der Drow bis jetzt noch nicht. Dabei starrte Kistan nun schon seit einer gefühlten Stunde auf ihn ein. In seinem Blick lag eine Wut, die er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Was auch immer der Anlass für seinen Besuch hier war, es konnte nichts Gutes für ihn bedeuten, wenn der Oberbefehlshaber ihn so vernichten anblickte. Erst Hauptmann Nym und nun auch noch er. Das Gefühl, welches Nym mit seinem Blick verursacht hatte, war auch bei Kistan allgegenwärtig – nur um ein vielfaches intensiver.
Syllvren wagte es nicht ein einziges Wort zu sagen. Nicht, solange er keinen Befehl dazu erhalten hatte. Immerhin hatte er es Kistan zu verdanken, dass er in die Armee aufgenommen wurde. Außergewöhnlich war wohl, dass er zu Beginn sehr viel mit Syllvren trainiert hatte. Vieles in Sachen Schwertkampf und Magie hatte er von Kistan gelernt. Daher auch dieser gehörige Gehorsam und Respekt, den Syllvren ihm gegenüber an den Tag legte.
Ein Seufzen durchbrach die Stille. Nicht sein eigenes, sondern das Seufzen Kistans. Sein Blick entspannte sich sichtbar, als er aufstand, sich neben Syllvren setzte und seinen Arm um seine Schulter legte.
„Du bereitest mir Kopfschmerzen, weißt du das?“ Verwirrung machte sich in Syllvrens Geist breit. Er konnte sich den plötzlichen Gemütswechsel von Kistan einfach nicht erklären. Wenn er ihn bestrafen wollte, warum machte er dies dann nicht einfach? Immerhin hatte er doch einen Adligen attackiert.
Erneut stellte sich für einige Zeit Schweigen ein, welches nur hin und wieder von einem Seufzen Kistans durchbrochen wurde. Syllvren konnte sich dennoch nicht entspannen und war weiterhin sichtbar nervös.
„Ich hoffe, dass du dich in ihrer Gegenwart zukünftig unter Kontrolle hast. Diese eine Narbe ist eigentlich schon eine Narbe zuviel. Und ich verspreche dir eine Sache: Solltest du Luna nur noch eine einzige kleine Verletzung zufügen, dann schwöre ich dir wirst du durch meine Hand ein Vielfaches dieses Schmerzes erfahren!“ Jetzt war Syllvren wirklich verwirrt. Er wollte ihn nicht bestrafen? Und überhaupt: Er wusste davon, dass er ihr diese Narbe zugefügt hatte? Warum saß sein Kopf dann überhaupt noch auf seinem Hals?
„Pass einfach auf sie auf, verstanden? Notfalls mit deinem Leben, wenn es notwendig ist.“ Mit diesen Worten öffnete Kistan die Tür zu seinem Büro. „Du bist hiermit wieder entlassen, Syllvren!“ Der Drow zögerte einen Moment, ehe er wieder aufstand, vor Kistan kurz salutierte und anschließend direkt in Richtung seiner Baracke ging – ein wenig Ordnung in seine verwirrten Gedanken bringen.
Diesmal hatte Syllvren keine Probleme auf dem Weg von irgendwelchen Soldaten aufgehalten zu werden, hielten sie doch alle einen großen Abstand zu ihm ein und trauten es sich nicht ein einziges Wort gegen ihn zu verwenden. Syllvren wusste, dass kaum jemand Valas sympathisch fand, sich jedoch niemals gegen seine Worte und Taten auflehnen würde. In seiner Baracke angekommen machte er es sich sogleich auf seinem Feldbett gemütlich und begann die Ereignisse erst einmal richtig zu verarbeiten.
Irgendwann, als er bereits den größten Teil wirklich begriffen hatte, klopfte es an seiner Tür. Er glaubte seinen Augen nicht, als sich selbige öffnete und ein ihm bekanntes Gesicht vorsichtig hineinspähte. Vor seiner Tür stand wirklich Luna.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 14:47 
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Halbelfe
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„Darf ich reinkommen?“, fragte sie leise, als sie Syllvren auf seinem Feldbett liegen sah. Er antwortete nicht, sondern starrte sie einfach ungläubig an. Luna konnte es ja auch verstehen, schließlich war sie vermutlich die letzte Person von der er erwartet hatte, dass sie ihn ausgerechnet in den Barracken besuchen kommen würde.
Allerdings hatte sich Luna auch keine Mühe gegeben, sich vor den anderen Soldaten zu verstecken. Kaum hatte sie gehört, dass Syllvren von Valas angegriffen worden war und Kistan ihr von seinem Gespräch mit Syllvren erzählt hatte, war sie losgestürmt, um nach ihm zu sehen. Sie konnte nur hoffen, dass nicht ihre Mutter oder ihr Onkel irgendwann hier auftauchten, um Syllvren einen Kopf kürzer zu machen. Aber er war Angehöriger des Militärs, unterstand damit Kistan. Und solange Kistan keinen Befehl gab, ihn hinrichten zu lassen oder dergleichen, wagten es Salomé und Astynax nicht, sich in diese Angelegenheit einzumischen. Sehr zum Missfallen letzteren.
Die Soldaten, allen voran die Adeligen, hatten sie erstaunt angesehen, als sie auf einmal in der Kaserne aufgetaucht war und zielstrebig auf die Barracken zugegangen war. Natürlich hatten alle salutiert, doch die Verwirrtheit unter ihnen war deutlich zu spüren. Vor allem den Adeligen schien es zu missfallen, dass sie hier aufgetaucht war. Valas hatte es sogar tatsächlich gewagt, sich ihr in den Weg zu stellen und sie darauf hinzuweisen, dass sich in den Barracken im Moment niemand aufhalten würde, außer der „dreckige Gaur“, der einen Besuch der Prinzessin nicht verdient hatte – gerade unter den jetzigen Umständen nicht. Daraufhin hatte Luna ihn ein wenig geröstet und ihren Weg unbehelligt fortgesetzt. Verdammter Adel.
Und nun stand sie in Syllvrens kleiner Einzelbarracke, in der er wohl den Großteil seines Lebens verbracht hatte. Sie fühlte sich noch schuldiger ihm gegenüber, als während ihrer gemeinsamen Reise, als sie ihm ihre Identität verheimlicht hatte.
„Mein Vater hat mir erzählt, was passiert ist“, sagte sie leise und schloss die Tür hinter sich. Mittlerweile war Syllvren aufgestanden. „Es tut mir so leid, dass sie dich angegriffen haben. Es ist meine Schuld“, sagte sie schuldbewusst und untersuchte Syllvren flüchtig nach schweren Verletzungen, die er jedoch nicht zu haben schien.
Fragend zog er die Augenbrauen hoch. „Ich bin ein Werwolf. Dass ist für die Grund genug, mich zu verprügeln. Du hast damit nichts zu tun.“
„Doch, habe ich. Weil sie etwas wissen, was du eigentlich als allererstes hättest erfahren müssen. Aber in Karak Azkar hatte ich keine Gelegenheit, es dir zu sagen, du hattest schon geschlafen, als ich wieder kam und dann war auf einmal Dark da…“
„Was wolltest du mir sagen?“ Skepsis schwang in seiner Stimme mit und er musterte Luna eingehend.
Sie seufzte. Wie sollte sie es ihm am besten sagen? Mühsam versuchte Luna die passenden Worte zu finden, doch sie fand keine. Ein einfaches ‚Ich bin schwanger und du wirst Vater‘ schien so ungemein unangebracht zu sein.
„Syllvren, bitte knie dich hin“, sagte sie schließlich. Die Überraschung in seinem Gesicht war schon beinahe witzig. Bisher hatte sie ihn immer gebeten, nicht vor ihr niederzuknien, und nun sollte er es auf einmal tun? „Bitte.“ Dem flehenden Ausdruck in Lunas Gesicht konnte er anscheinend nicht ‚Nein‘ sagen, weshalb er zögernd auf die Knie ging. Sein Kopf war nun in idealer Höhe – nämlich in Höhe von Lunas Bauch.
Luna atmete tief durch, beugte sich kurz hinunter und küsste Syllvren auf das Haupt, ehe sie sich wieder aufrichtete. Mit einer Hand zog sie nun ihr Oberteil ein wenig hoch, sodass ihr Unterleib weitgehend frei lag, mit der anderen zog sie Syllvrens Kopf sanft an ihren Bauch und drückte sein Ohr dagegen. Luna musste jetzt etwa im vierten Monat der Schwangerschaft sein, der Herzschlag des Kindes musste also schon hörbar sein – vor allem für das gute Ohr eines Drow, dessen Sinne aufgrund des Werwolfblutes zusätzlich geschärft waren. Inständig hoffte Luna, dass Syllvren es wirklich hören würde, und kraulte nervös seinen Kopf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 15:17 
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Dunkelelf
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Im ersten Moment war Syllvren nur verwirrt gewesen, als Luna ihn darum gebeten hatte, sich vor sie zu knien. Es war wirklich eigenartig gewesen, dass sie dies von ihm verlangte. Aber er konnte ihr einfach keine Bitte abschlagen, daher kam er ihr einfach nach. Schließlich drückte sie seinen Kopf gegen ihren Bauch. Irgendwie empfand Syllvren ihr momentanes Verhalten ein wenig merkwürdig. Was versprach sie sich davon, wenn sie seinen Kopf an ihren Bauch drückt? Wegen der Nähe machte sie es nicht, dafür wäre es effektiver gewesen, wenn sie sich an ihn drückte. Warum aber…?
Syllvrens Gedanken froren ein. Spielte sein Gehör einen Streich mit ihm oder hatte er gerade zwei Herzschläge aus Lunas Innerem wahrgenommen? Sofort hielt er den Atem an und versuchte seinen eigenen Herzschlag auszublenden. Da war es wieder. Und wieder. In Luna schlug wirklich ein zweites Herz. Was im ersten Moment noch Verwirrung in ihm ausgelöst hatte, wurde mit der nächsten Sekunde zu einer klaren Erkenntnis. Luna war schwanger. Ein Kind wuchs in ihrem Bauch heran. Um genau zu sein war es ihr Kind.
„Bei Dark…“ Syllvren horchte noch einen Augenblick. Momentan konnte er nicht sagen, wie er sich fühlen sollte. Die Nachricht, dass er Vater werden würde, war natürlich eine wundervolle – wenn man denn die Umstände außer Acht ließ. Syllvren konnte sie aber nicht ausblenden. Ihm war klar, was für Probleme auf sie zukamen. Nicht nur, dass es sich um ein uneheliches Kind handelte und der Adel einen Aufstand machen würde, wenn herauskommen würde, dass das königliche Blut durch einen Slumdog verunreinigt wurde. Wenn alles in die falsche Richtung laufen würde, wird auch durch seine Adern das Blut der Wölfe fließen und sein Leben somit unter einen noch schrecklicheren Stern stellen.
„Es ist von mir, nicht wahr?“ Seine Stimme war leise, als er seinen Kopf zu Luna hob. Sie schien mitbekommen zu haben, dass er kurz verkrampft war, trotzdem nickte sie. Syllvren ballte seine Hand zur Faust, biss sich nervös auf die Unterlippe. Etliche Gedanken prasselten auf ihn ein, überforderten ihn. Sein Atem wurde schneller, Panik machte sich in seinem Körper breit. Dann, von einem Augenblick zum nächsten, sprang Syllvren auf, rannte an Luna vorbei und stürmte aus seiner Baracke. Sein Ziel war ein Ort, an welchen er sich stets zurückzog, wenn er verzweifelte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 8. Apr 2012, 15:50 
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Halbelfe
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Schweigend blickte Luna Syllvren hinter her, als er ohne ein weiteres Wort aus der Baracke geflüchtet war. Was hatte sie denn auch erwartet? Dass er in Freudensprünge ausbrach? Rein theoretisch war sein Leben verwirkt, er hatte die Prinzessin geschwängert. Und die Zukunft für das Kind sah auch nicht unbedingt rosig aus. Es würde ein Bastard sein, der Vater ein Slumdog und Werwolf. Und wenn das Kind Pech hatte, dann würde es ebenfalls ein Werwolf sein. So langsam fragte sich Luna, ob eventuell sogar die Gefahr bestand, dass man sie samt Kind einfach vor die Tür setzen würde. Wobei das weniger wahrscheinlich war – sie war immer noch die Prinzessin. Dennoch traute sie es dem Adel zu, dass er eventuell das Kind beseitigen würde, sobald es auf der Welt wäre. Für die Aristokraten musste es ja wahrlich ein Schandfleck der Oberstadt sein.
Luna wartete einen Moment, wischte sich einige Tränen von den Wangen und trat dann hinaus. Sie fragte sich, wo Syllvren wohl hingegangen war. Zu gerne würde sie ihm folgen und mit ihm reden. Aber er konnte überall sein!
Vor der Baracke warteten bereits drei Männer, wie Luna überrascht feststellte. Es waren ein Magier, von dem ein versengter Geruch ausging, ein Alchemist, welcher leise wirres Zeug redete, und ein Armbrustschütze, in dessen Augen ein leicht mordlustiger Blick lag.
„Ich nehme an, Ihr sucht Syllvren?“, fragte der Armbrustschütze und spielte mit einem Bolzen in seinen Händen. Kurz fragte sich Luna, wer diese Männer wohl waren und wieso sie sich in die Nähe von Syllvrens Baracke trauten. Es schien ja so zu sein, dass die meisten Drow diesen Ort so gut es ging mieden.
„Ja. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Oh, nur mit ein paar verzichtbaren Soldaten dieser Stadt, Euer Hoheit“
, sprach der Magier und verbeugte sich gehässig. „Mein Name lautet Jaezred und dies sind Ryld und K’yorl“, stellte er sich und seine Begleiter vor. Ryld, der Alchemist, schien immer noch nicht ganz bei der Sache zu sein.
Die Namen allerdings sagten Luna doch etwas. Ihr Onkel hatte sich oftmals über sie aufgeregt, weil diese Drow keine Kontrolle über sich selbst hatten. Sie waren tatsächlich ‚verzichtbar‘ – sprich, sie waren in einer Einheit, die Selbstmordkommandos übernahm, wobei man natürlich hoffte, dass sie dabei umkamen. Syllvren war ebenfalls in dieser Einheit. Zum Leidwesen vieler Adeligen und Militärs waren einige aus dieser Einheit jedoch verdammt zäh und wollten einfach nicht sterben.
„Könnt Ihr mir sagen, wo er hingegangen ist?“, fragte sie schließlich und erntete von drei Seiten ein geheimnisvolles Grinsen.
„Vielleicht. Er könnte in die Trainingshalle gegangen sein, um sich abzureagieren“, sprach der Armbrustschütze K’yorl.
„Vielleicht ist er auch hinunter in die Slums gegangen, um etwas Verbotenes zu tun“, fuhr Jaezred fort.
„Mauern“, war das einzige, was Ryld dazu sagte, erntete aber einen genervten Blick seiner Kumpanen.
„Dann… Danke ich Euch vielmals für diese… Hilfe“, sagte Luna ein wenig verwirrt. Da das aber die einzigen Hinweise waren, die sie hatte, beschloss sie ihnen nachzugehen. Zumindest die Trainingshalle und die Mauern konnte sie besuchen, die Slums würde sie sich zwei Mal überlegen. Aber irgendwann würde Syllvren schon in die Baracke zurückkehren und daher würde Luna einfach warten, falls er weder in der Halle noch auf den Mauern sein sollte.
In der Trainingshalle war er tatsächlich nicht, dort waren nur einige andere Soldaten, welche gerade Sparring betrieben. Also schlug sie ihr nächstes weitläufiges Ziel ein, nämlich die weiten Mauern Kendans.
---> Mauern

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 Betreff des Beitrags: Re: Kaserne
BeitragVerfasst: 19. Sep 2015, 14:31 
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Dunkelelf
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Die Sonne stand bereits tief, als Luna und Syllvren schließlich die Baracken erreicht hatten. Kaum ein Soldat befand sich jetzt noch auf dem Trainingsgrund, sodass sie durchaus unauffällig in Richtung von Syllvrens Einzelbaracke machen konnten. Es war garantiert besser so, wollte sich der Drow lieber nicht vorstellen, was geschehen würde, wenn zu viele wissen, dass die Prinzessin wieder die Kaserne besucht. Besonders wenn Valas davon Wind bekommen würde.
Syllvren musste gestehen, dass ihm Lunas Idee doch sehr gefallen hatte. Ganz besonders wenn man bedachte, dass sie sich in nächster Zeit weniger nahe sein konnten. Da war es doch eine wundervolle Sache, wenn sie sich doch ein klein wenig Zeit nehmen konnten. Nachdem er hinter sich die Tür zugezogen und auch abgeschlossen hatte, zog er Luna in seine Arme und verwickelte sie in einen solch leidenschaftlichen Kuss, wie sie ihn schon lange nicht mehr geteilt hatten. Erst der Luftmangel sorgte dafür, dass sie sich schließlich wieder voneinander trennen mussten.
Lächelnd schauten sie sich einige Zeit verliebt in die Augen, ehe Syllvren seine Geliebte wieder an sich drückte und seinen Kopf an ihren legte.
„Es tut gut dich in meiner Nähe zu haben…“, flüsterte Syllvren leise und streichelte sanft mit einer seiner Hände ihren Rücken hinab. Luna ließ einfach ein zustimmendes Seufzen entweichen. Einige Minuten standen sie einfach dort, ehe Syllvren die Umarmung löste und Luna anlächelte. Er umgriff ihre Hand und führte sie zu seinem Feldbett, auf welchem er schließlich Platz nahm. Bevor Luna noch irgendwas sagen konnte, saß sie auf seinem Schoß, ihren Rücken ihm zugewandt.
„Ich finde, dass du es verdient hast, ein wenig zu entspannen und genießen zu können…“, flüsterte Syllvren leise in ihr Ohr, ehe er seine Hände auf ihre Schultern legte und sachte begann selbige zu massieren. Luna schien die Zärtlichkeiten des Drows sehr zu genießen und nach schließlich einer guten Stunde entschlossen sich die beiden hinzulegen. Während sich Syllvren auf seinen Rücken legte, machte es sich Luna auf ihm bequem, ehe sie gemeinsam zufrieden ins Reich der Träume abdrifteten.


Zuletzt als neu markiert von Syllvren am 19. Sep 2015, 14:31.


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