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 Betreff des Beitrags: Kendan - Oberstadt
BeitragVerfasst: 17. Feb 2011, 20:18 
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Dunkelelf
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Der harte Stein einer Mauer in seinem Rücken und kalte Regentropfen, welche erbarmungslos auf seine Rüstung prasselten, waren die einzigen äußeren Empfindungen, die auf seinen Verstand einwirkten. Sein Blick war leer, sein Körper war ausgefüllt von einer bleiernen Müdigkeit, welche ihn an Ort und Stelle festhielt. In seinem Kopf schwirrte nur der eine vernichtende Erkenntnis: Er würde schuldig gemacht werden. Immerhin war es doch seine Aufgabe gewesen, auf das Wohlergehen des Beraters achtzugeben…
Syllvren blickte in den schwarzen Himmel, spürte die kalten Regentropfen, die auf sein Gesicht trafen und hinab liefen. Jeder Tropfen wusch das Blut von seinem Körper und seiner Rüstung. Wie lange er nun hier schon stand? Er konnte es einfach nicht sagen.
Schritte und das Klappern von Rüstungen befreiten Syllvren aus seiner Starre. Einige Wächter des Königshauses waren aufgetaucht, hatten sich am Ort des Geschehens versammelt. Er spürte ihre verachtenden Blicke in seiner Seite, ohne sie auch nur anzuschauen. In ihren Augen würde er immer zum Abschaum gehören. Ein Ausgestoßener, dessen Leben kein Bronzestück wert war. Immerhin verband er gleich zwei Dinge, die in der Kultur der Drows verachtet wurden: Er war ein Bastard, geboren in den unterirdischen Slums der Stadt. Seine Mutter hatte sich auf einen adligen Drow eingelassen, worauf er gezeugt wurde. Aber es war ja nicht genug, unter solchen Umständen geboren zu werden, nein – Knapp 20 Jahre nach seiner Geburt drangen Werwölfe in den Untergrund Kendans ein. Viele Menschen starben, so auch seine Mutter. Wie durch ein Wunder überlebte Syllvren diesen Angriff, doch sein Körper trug tiefe Narben davon. Der junge Drow wurde ausgegrenzt, da sein Überleben als nicht natürlich gesehen wurde. Erst viele Jahre später sollte er erfahren, wie sein Körper die schweren Verletzungen überlebt hatte, obwohl kein Heiler seine Wunden behandelt hatte. Das Blut der Werwölfe war in seinen Körper gelangt, hatte ihn infiziert. Ihm wurde ein Pfad zu mannigfaltigen Fähigkeiten geöffnet, jedoch zu dem Preis, dass er in der Gesellschaft der Drows noch tiefer nach unten sank. Er hatte es wohl seiner Königin zu verdanken, dass er nicht aus der Stadt verbannt und in einer Kaserne ausgebildet worden war.
„Werwolf!“ Anfänglich reagierte Syllvren nicht, auch wenn er wusste, dass er gemeint war. Diese Art der Anrede war für ihn gewohnt und er war ein wenig froh, wenn sie ihn nur abwertend als Werwolf bezeichneten. „Ich rede mit dir, Abschaum!“
„Hast du etwas gesagt?“, erwiderte Syllvren scharf und blickte die Wache mit dunklem Blick an. Genugtuung breitete sich sogleich in seinem Körper aus, als die Wache kurz in sich zusammenzuckte und einen Schritt zurückging. Denn auch, wenn die Wachen ihn nach seinem Gesellschaftsstatus entsprechend behandelten, schienen sie Angst vor ihm zu haben. Sie waren doch sowieso alle gleich, einer wie der andere. Und sie wussten, wie gefährlich Syllvren war. Eine Bestie in Gestalt eines Dunkelelfen, gefühlskalt und erbarmungslos. Ja, so konnte man Syllvren oberflächlich beschreiben. Sein Herz lag unter einer dicken Schicht aus Eis, das Leben konnte ihm nicht genügend Wärme spenden, um das Eis schmelzen zu lassen.
„Königin Salomé möchte dich sprechen. Sofort.“
Garantiert würde er seine Strafe erhalten. Seine Königin sah beinahe alles, was innerhalb der Mauern Kendans geschah. So wusste sie auch sicherlich schon, was geschehen war. Sein Blick wanderte zu der blutdurchtränkten Kutte am Boden. Sie gehörte dem Attentäter, den er verfolgt und gestellt hatte. Hier in die Gasse hatte er ihn getrieben, wollte ihn entwaffnen und als Gefangenen seiner Königin übergeben. Er war unachtsam, hätte er doch sehen müssen, dass dieser Attentäter nicht geblufft hatte. So hatte er nun nichts, außer Blut und Probleme auf seinem Körper. „Bist du taub, du Sohn einer…?!“, schnauzte ihn der Leutnant der Wache an, sein Wort wurde jedoch von Syllvren abgeschnitten. Der nasse Boden gefror, die feinen Regentropfen verwandelten sich in Hagelkörner. Sein Blick ließ sämtliche Wachmänner erzittern und sicherlich waren sie froh, dass Blicke nicht töten konnten – Andernfalls hätten sie sich nun alle von ihrem Leben verabschieden können.
„Halter eure Zunge im Zaum, Leutnant Vorn.“ Ohne Schwierigkeiten bewegte sich Syllvren über den glatten Boden, direkt auf den Leutnant zu. Dieser wollte sich bewegen, doch das Eis, welches sich um seine Füße gebildet hatte, hielt ihn mit erbarmungslosem Griff fest.
„Ich lasse jegliche Beleidigung über meine Herkunft oder mein Blut über mich ergehen, aber…“ Seine eiskalte Hand umfasste Vorns Hals. Er spürte die mächtige Kälte, die von ihr ausging und wie sich eine feine Eisschicht auf den Stellen, die seinen Hals berührten, bildete.
„…wenn ihr eure Stimme gegen meine Mutter erheben solltet, verspreche ich euch, dass ein eisiger Tod auf euch wartet…“ Sein Blick unterstrich, dass er hier nicht scherzte.
„Drohst du einem ranghöheren Offizier, Werwolf?“ Vorns Stimme war von Unsicherheit getränkt. Wie konnte dieser Drow nur Leutnant geworden sein?
„Legt es so aus, wie ihr es möchtet, Leutnant…“ Syllvrens Hand ließ von Vorns Hals ab und innerhalb eines Augenschlages war sämtliches Eis wieder geschmolzen. „Das wirst du noch bereuen, Bastard…“ Dem jungen Drow war es egal, ob Vorn den Vorfall seiner Königin melden würde. Es würde sowieso keinen Unterschied mehr machen, wenn er nun für seine Unachtsamkeit gegenüber dem Attentäter geradestehen müsste – Königin Salomé würde ihm sicherlich kein Lob entgegenbringen.
Ohne weiter auf den verunsicherten Vorn oder seinen Wachmännern zu achten, ging Syllvren aus der Gasse. Sein Ziel war eindeutig: Der majestätische Palast im Zentrum der Stadt.
--->Königspalast [Kendan]


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