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 Betreff des Beitrags: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 15:26 
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Dunkelelf
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Im Schutz der Wälder hielt die Gruppe schließlich an. Sie alle waren sichtlich vom Laufen erschöpft und selbst Syllvren war froh, dass er seinen Füßen eine Pause gönnen konnte. Um sichergehen zu können, dass Luna erst einmal die Flüchtlinge beruhige konnte, stellte sich Syllvren bereit, die Umgebung nach den Verfolgern abzusuchen. Falls sie ihnen denn weiterhin gefolgt sein sollten, so würde er ihnen ein wundervolles Willkommensgeschenk machen. Also stellte er ihre Verpflegung bei Luna ab und verschwand schließlich hinter einigen Bäumen.
Das Feuer seiner Instinkte, welches immer noch mit einem schnellen Herzschlag in seinem Körper brannte, verlösche langsam. Jetzt, wo er keiner Gefahr mehr ausgesetzt war, lichtete sich auch der Nebel um seine Gedanken. Und mit einem Schlag überfluteten ihn die Erinnerungen, welche alle zurückgehalten worden waren. Noch einmal sah er alles, was geschehen war, vor seinem inneren Auge. Etwas überwältigt von all den Eindrücken taumelte der Drow zur Seite, stützte sich an einem nahegelegenen Baumstamm ab.
Syllvren konnte nicht verstehen, was dort in ihn gefahren war. Nicht, dass er in irgendeiner Art bereute, was er mit Luna getan hatte. Es fühlte sich auch jetzt, wo er drüber nachdachte, irgendwie richtig an. Aber bedeutete dies nicht, dass er doch mehr für Luna empfand? Allein, dass sein Körper sich mit jeder Faser nach ihr zu sehnen schien, war doch Beweis genug. Trotzdem wurde ihm auch klar, dass diese Liebe keinen Bestand haben würde. Er hatte kläglich versagt, seinen Auftrag aus den Augen gelassen. Sie mochten zwar drei Drow aus den Klauen der Sklaverei gerettet haben, aber trotzdem konnte dies Syllvren nicht wirklich glücklich stimmen. Er selber stand wieder bei Null. Das kleine Licht der Hoffnung war erloschen, hinterließ Syllvren direkt an der Kante zu einem gewaltigen Abgrund. Wenn er jetzt noch ein wenig Ehre übrig hatte, würde er sie dazu nutzen müssen, vor seiner Königin sein Versagen zu gestehen. Was daraufhin passieren würde wusste er nur zu genau. Denn diesmal bezweifelte er, dass Königin Salomé Gnade mit ihm haben würde.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 15:52 
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Halbelfe
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Während Syllvren sicher ging, dass sie wirklich nicht mehr verfolgt wurden, war Luna damit beschäftigt die befreiten Drow zu beruhigen und zu versorgen. Glücklicherweise hatten sie an einem kleinen Bach angehalten, an dem die Drow sich selbst erfrischen konnten, so musste Luna nur jedem ein wenig Brot geben. Keiner der vier sagte ein Wort, sie waren zu erschöpft, um überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen oder auf Lunas Worte und Fragen einzugehen. Nicht einmal ihre Namen konnten sie ihr nennen. So dauerte es auch nicht lange, bis das Mädchen, die zwei Frauen und der Mann auf dem weichen Boden eingeschlafen waren, um sich von der Kraftanstrengung zu erholen.
Auch Luna hätte sich nur zu gerne hingelegt, um ein wenig zu schlafen. Die Hetzjagd hatte an ihren Kräften gezerrt und sie erschöpft, doch noch war sie nicht bereit dazu. Tief durchatmend schloss Luna die Augen und dachte an das zurück, was sie mit Syllvren getan hatte. Auch jetzt, mit völlig klarem Verstand, bereute sie nichts davon, war sogar unsagbar glücklich darüber, es getan zu haben.
Aber wieder einmal meldeten sich ihre Schuldgefühle zu Wort. Sie musste Syllvren sagen, dass sie es war, die er die letzten Wochen über gesucht hatte, über die er sich den Kopf zerbrochen hatte, wegen der er um sein Leben bangen musste. Sie musste ihm gestehen, dass sie ihn in die Irre geführt hatte, weil sie egoistisch war und ihre Freiheit haben wollte, dann ihre Freundschaft und vermutlich würde sie ihn auch jetzt noch weiter anlügen, sollte er weiter suchen wollen, um eine potentielle Beziehung zu ermöglichen. Denn Luna wusste: Sobald Syllvren wüsste, welchen Stand sie in der Gesellschaft einnahm, wäre es aus und vorbei. Und das wollte sie nicht…
Luna seufzte, müde, erschöpft und hin und her gerissen zwischen Glück und schlechtem Gewissen. In diesem Moment kehrte Syllvren zurück, trat zwischen einigen Bäumen hervor. Luna blickte ihn einen Moment lang schweigend an. Er wirkte tief in Gedanken versunken, ein trauriger Schatten hatte sich über sein Gesicht gelegt.
Zögernd trat Luna auf ihn zu und legte eine Hand an seine Wange. „Bedrückt dich etwas?“ Ihre Stimme war seltsam leise und überrascht bemerkte Luna, dass ihre Stimme zitterte. Ahnte sie nicht bereits schon, was ihn bedrückte, was ihm auf dem Herzen lag? Morday war sein letzter Anhaltspunkt gewesen, um die verschwundene Prinzessin zu retten und jetzt hatte er nichts. Dabei war die Prinzessin die gesamte Zeit über in seiner Nähe gewesen…

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 16:19 
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Dunkelelf
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Für eine kurze Zeit, als Lunas Hand seine Wange berührte, fühlte Syllvren wieder dieses wundervolle Kribbeln in seiner Bauchregion. Trotzdem überschattete die Erkenntnis des Versagens alles, was sich in seinem Inneren abspielte. Ein leises Seufzen verließ seine Lippen.
„Ich muss mit dir reden. Alleine.“ Seine Stimme spiegelte deutlich seine Gemütslage wieder. Sie war schwach, leise und beinahe schon monoton. Syllvren schluckte trocken und ging, nachdem Luna kurz genickt hatte, zum Rande des Waldes. Es musste nicht unbedingt sein, dass er ihr diese Entscheidung in Anwesenheit von irgendwelchen Flüchtlingen mitteilt. Dafür war sie einfach zu privat. Auch wenn es doch eigentlich vollkommen egal sein würde.
Nach kurzer Zeit hatten sie den Waldrand erreicht. Der Mond stand hell über dem Himmel und beleuchtete die Umgebung mit genügend Licht für die Augen eines Drows.
Syllvrens Herz begann heftiger zu schlagen, als er nach den richtigen Worten suchte. Er liebte sie, dass war ihm inzwischen klar geworden. Wahrscheinlich liebte sie auch ihn. Vorstellbar war es ja. Aber trotzdem konnte er einfach nicht vor seinem Schicksal fortlaufen. Die Rute zwischen die Beine einklemmen und vor der Strafe, die ihm gebührte, fliehen. Genau aus diesem Grund war es wohl besser, wenn er seine Gefühle für sich behalten würde.
„Ich…“ Kurz schaute er in den Himmel, atmete tief durch. „Ich werde nach Kendan zurückkehren und mich vor meine Königin verantworten müssen.“ Ein bitteres Lächeln legte sich auf seine Lippen, während er ihr seinen Rücken zudrehte. „Vielen Dank, dass du mich begleitet hast. Es war eine wirklich schöne Zeit für mich gewesen. Aber hier muss ich mich von dir verabschieden.“ Die letzten Worte hatte Syllvren in der Sprache der Drow geflüstert. Eine einzelne Träne rannte seine Wange herab, welche er daraufhin sofort wieder wegwischte. „Wirklich… Vielen Dank…“ Dann setzte er einen Fuß vor den anderen und wollte fortgehen. Doch ein paar Arme schlangen sich augenblicklich um seinen Bauch und hielten ihn an Ort und Stelle. Sein Körper erstarrte, als er spürte, wie sie sich gegen seinen Rücken drückte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 16:57 
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Halbelfe
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Tränen flossen bereits über Lunas Gesicht, noch ehe Syllvren auch nur ein Wort gesagt hatte. Sie wusste, was er sagen würde und sie konnte es sogar verstehen. Syllvren hatte seine Ehre, seinen Stolz, und er würde nicht einfach fortlaufen, weil er seinen Auftrag allem Anschein nach nicht erfüllen konnte.
Es tat so weh, ihn verletzt und hoffnungslos da stehen zu sehen, seine Worte zu hören, die Lunas Herz in Stücke rissen. Er verabschiedete sich, wollte losgehen, doch Luna konnte das nicht zulassen. Kaum hatte Syllvren auch nur einen Schritt getan, stand sie hinter ihm und hatte ihre Arme um ihn geschlungen.
Du kannst doch nicht einfach so gehen, du Idiot!“, schluchzte sie und klammerte sich an ihn. Es war soweit, Luna musste ihm die Wahrheit sagen. Sie wusste, dass sie ihn nie würde davon überzeugen können, nicht nach Kendan zurück zu kehren. Aber sie konnte wenigstens verhindern, dass er sich mit einem baldigen Tod abfand.
„Syllvren…“, flüsterte sie schließlich und lockerte ihren Griff. „Sieh mich an.“ Zögernd drehte sich der Drow zu ihr um, blickte ihr traurig ins Gesicht. „Du… Du hast nicht versagt. Ich… ich muss dir etwas beichten, Syllvren. Ich muss dir etwas Furchtbares beichten… Ich bin…“
Doch Luna kam nicht dazu, ihren klärenden Satz zu Ende zu sprechen. Sie wurde unterbrochen von dem rasenden Galopp mehrerer Pferde, die sich auf sie zu bewegten. Es waren Schattenrösser, die Pferde des drow’schen Adels.
Wie versteinert standen Luna und Syllvren da, starrten den Rössern entgegen, die erst kurz vor ihnen abrupt anhielten. //Nein… Das kann nicht wahr sein. Nicht hier, nicht JETZT!//, schrie Luna in Gedanken, als einer der Reiter absprang und den Helm vom Kopf nahm. Sie erkannte ihn auch so bereits und ihre Abneigung auf diesen Mann steigerte sich plötzlich noch mehr. Marek tauchte natürlich immer dann, auf wenn man ihn am wenigsten sehen wollte. Nie konnte er einfach irgendwo in den Abgrund stürzen, sich das Genick brechen und auf ewig verschwunden bleiben. Luna taumelte zurück, als er einige Schritte auf sie zu ging, ehe er anhielt und die Lage einzuschätzen versuchte.
„Soso“, begann er schließlich. Er musterte Syllvren von oben bis unten mit seinem arrogantesten, verachtensten Blick, den er besaß. „Anstatt die Prinzessin zu finden und auf der Stelle wieder nach Kendan zurück zu bringen, hältst du sie hier in den Wäldern gefangen, du nichtsnutziger Gaur? Wolltest du sie hier verspeisen zum nächsten Vollmond, Köter?“ Natürlich bemerkte er Syllvrens verwirrten Blick bei der Erwähnung der Prinzessin und dass Marek dabei direkt Luna angeblickt hatte. Ein merkwürdiges Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Natürlich, was soll ich auch anderes erwarten. Du elendiger Abschaum weißt noch nicht einmal, wen du in deinen Fängen hältst. Wie kann man auch vergessen, dass ein Bastard wie du das Gesicht der edlen Prinzessin der Drow noch nie in deinem erbärmlichen Leben zu Gesicht bekommen hat, weil du zu unwürdig und verabscheuenswürdig bist?“ Er lachte und blickte dann zu Luna. Einen Moment lang musterte er sie, dann verbeugte er sich leicht. „Nun, Eure Hoheit, es wäre an der Zeit, nach Kendan zurück zu kehren. Der Adel wartet schon sehnsüchtig auf unsere Vermählung.“ Er wagte es sogar tatsächlich noch, ihr den Arm anzubieten.
Lunas Antwort war eindeutig. Mit jedem Wort mehr, das Marek gesprochen hatte, war sie wütender geworden, zorniger. In unregelmäßigen Abständen zuckten Blitze um ihren Körper und entluden sich nun für einen sekundenbruchteil auf Marek, welcher erst einen Satz zurück machte und sie dann wütend anblickte. Wie hatte Salomé nur ausgerechnet ihn aussuchen können?!
„Fasst. Mich. Nicht. An, Marek“, zischte sie wütend. Immer zerstörte er alles. Immer. Wieso hätte er nicht ein paar Minuten später – oder im Idealfall gar nicht! – auftauchen können? Dann hätte sie es Syllvren selbst erklären können, ganz ohne Beleidigungen und Beschimpfungen. Aber jetzt hatte Marek es versaut und Luna wagte kaum, zu Syllvren zu blicken. Aber dann tat sie es doch, blickte beschämt und schuldbewusst zu ihm herüber, während Marek und sein Begleiter hinter ihnen in die Wälder gingen – vermutlich um sich zu erleichtern. Vielleicht fanden sie dabei auch die Sklaven, dann müsste Luna ihnen nicht mehr erklären, wo sie sich aufhielten.
Aber nun galt ihre Aufmerksamkeit einzig und allein Syllvren, welcher inzwischen einige Meter von ihr entfernt stand.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 17:59 
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Dunkelelf
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Obwohl Syllvrens Kopf sofort registriert hatte, was ihn dieser schleimige Elfenbastard mitgeteilt hatte, brauchte er wirklich einige Zeit um wirklich alles zu verarbeiten. Die ganze Zeit war Elfe, die an seiner Seite gereist war, in Wirklichkeit die Prinzessin der Drow. Dies an sich wäre ja nicht ein allzu großes Problem gewesen, wenn man die Ereignisse vergaß, die während dieser Reise geschehen waren. Er hatte nicht nur die Prinzessin geküsst, er hatte sie sogar entjungfert! Schon allein für den Kuss würde garantiert die Todesstrafe ausgesprochen werden, aber was für Qualen würden ihn denn dann erwarten, wenn bekannt wird, dass er, ein Wolfsblut und Bastard aus den untersten Schichten Kendans die wehrte Prinzessin der Dunkelelfen entjungfert hat?!
„Du… Ihr… seid wirklich die Prinzessin, Luna?“ Mit ungläubigem Blick schaute Syllvren zu seiner Begleiterin. Er konnte und wollte einfach nicht akzeptieren, dass es sich bei Luna, der Elfe, in welche er sich verliebt hatte, um die Prinzessin handelte, nach welcher er die ganze Zeit gesucht hatte. Als sie jedoch ihren Blick zu Boden wandte und nickte, spürte Syllvren, wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Er hatte sein Herz an die Prinzessin verloren, einem für ihn in der Hierarchie beinahe gottgleichem Wesen, welches er eigentlich nicht einmal direkt anschauen durfte. Da waren solche Gefühle erst recht verboten!
Leicht schüttelte Syllvren den Kopf, kniete sich anschließend hin und senkte seinen Blick zu Boden – so, wie es sich gehörte.
„Verzeiht mir, dass ich euch nicht früher erkannt habe, euer Majestät…“ Genau in diesem Augenblick tauchte Marek wieder aus dem Wald auf, lachte augenblicklich, als er diese Szenerie vor seinen Augen erblickte und klatschte regelmäßig in seine Hände.
„Großartig, einfach nur großartig. Der räudige Hund kniet auf dem Boden. Dieses Bild könnte ich gerne öfters sehen.“ Erneut ging er auf Luna zu, blieb neben ihr stehen.
„Eure Hoheit, es ist wirklich an der Zeit zurückzukehren und diesen Bastard zurückzulassen. Meine Königin erwartet euch schon sehnsüchtig.“


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 18:26 
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Halbelfe
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In der nächsten Sekunde lag Marek auch schon auf dem Boden, nachdem Luna ihm erst die Faust in den Magen gerammt und ihn dann niedergeschlagen hatte. Stöhnend versuchte Marek sich wieder aufzurichten, doch Luna drückte ihn mit ihrem Fuß wieder auf den Boden.
„Wenn Ihr auch nur noch ein einziges Mal Syllvren beleidigen solltet und ich davon erfahre, werdet Ihr Euch wünschen nie geboren worden zu sein!“, knurrte sie wütend, stieß ihm den Fuß noch einmal in den Bauch und ließ dann zornig von ihm ab.
Während Marek nun mit seinen Schmerzen beschäftigt war, trat Luna auf Syllvren zu. „Steh auf, Syllvren… Bitte“, sagte sie leise und ihre Wut verebbte. Syllvren tat was sie sagte und erhob sich – natürlich, denn nun sah er vermutlich jede ihrer Bitten, alles was sie an ihn sagte als Befehl an. Er würde ihr untergeben sein, sich von ihr fern halten, denn er war ihrer gesellschaftlich gesehen nicht würdig. Den ersten Freund den Luna seit vielen Jahrzehnten gehabt hatte, ihre erste Liebe, würde sie verlieren, nur weil sie vom königlichem Blut war und er von der Gesellschaft nicht akzeptiert. „Es tut mir so leid, Syllvren… Ich hätte es dir eher sagen sollen. Aber ich will, dass du weißt, dass ich nie, NIE mit dir gespielt habe. Ich habe alles ernst gemeint.“ Es war kaum mehr als ein Hauchen, sodass wirklich nur Syllvren verstand, was sie sagte. Kurz hob Luna die Hand, um ihn noch einmal zu berühren, doch dann besann sie sich und ließ sie wieder sinken. Sie würde das nie wieder machen können, vor allem dann nicht, wenn Marek in der Nähe war. Und dennoch, auch sollte dieser verdammte Drow einmal nicht in der Nähe sein, würde es ihr nicht mehr möglich sein, Syllvren auf dieselbe Art wie vorher nahe zu sein. Denn jetzt war sie für ihn die Prinzessin und nicht mehr einfach nur die Halbelfe Luna.
Schweren Herzens wandte sie sich von Syllvren ab. Marek hatte sich mühselig wieder aufgerichtet und bedachte sie mit einem zornigen Blick. Davon abgesehen, dass Luna ihn gar nicht heiraten wollte, war es doch manchmal amüsant, sich diese Ehe vorzustellen. Luna und Marek konnten sich allem Anschein nach nicht besonders gut leiden – sie hatten bereits als Kinder ihre Probleme miteinander. Die Ehe würde sehr streitreich werden, Marek würde sich vermutlich zahlreiche Affären anlachen, da Luna ihn nie und nimmer an sich heran lassen würde – dementsprechend würde der royale Erbe ebenfalls fehlen. Wieder fragte sie sich kopfschüttelnd, welcher Affe ihrer Mutter diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte.
Da kam Mareks Begleiter wieder aus dem Wald, die Sklaven liefen hinter sich her. Ehrfürchtig blickten sie zu Luna, knieten sich auf den Boden und verbeugten sich tief. „Oh vielen Dank, Eure gnädige Majestät“, sprachen sie; Luna wandte den Blick ab.
„Ich wäre dann bereit für den Aufbruch“, sagte sie schließlich niedergeschlagen. „Wenn alle anderen ebenfalls bereit sind“, fügte sie dann noch hinzu.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 1. Apr 2012, 19:07 
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Dunkelelf
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Nachdem sich niemand sein Wort erhob, begann Luna einige Worte zu murmeln. Syllvren kannte den genauen Wortlaut und wusste schon sofort, dass es die Magie sein musste, welche nur der Königsfamilie vorbehalten war. Totenbeschwörung. Dunkler Nebel legte sich über den Boden und als Luna das letzte Wort ausgesprochen hatte, erschienen drei Pferde, welche den Schattenrössern nahezu identisch waren. Syllvren spürte aber, dass dieses Aussehen nicht der Wahrheit entsprach. Es war halt nur ein einfacher Illusionszauber, den Luna dort gewirkt hatte. Für die Sklaven reichte dies aber aus, stiegen sie je zu zweit auf einer der Pferde. Das dritte war wohl für ihn gedacht. Während Luna sich auf Schattenblitz gesetzt hatte, welches mit ihrer Gegenwart keine Probleme zu scheinen hatte, schüttelte Syllvren kaum merklich seinen Kopf.
„Es schmeichelt mich, dass ihr mir dieses Angebot unterbreitet, euer Hoheit. Aber mein Weg nach Kendan wird ein anderer sein, als eurer.“ Ohne auf eine Reaktion der Prinzessin zu warten, verneigte er sich zum Abschied und verschwand im Schatten der Bäume des Waldes.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wälder
BeitragVerfasst: 2. Apr 2012, 11:06 
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Dunkelelf
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Der Weg zog sich wirklich lang hin. Seit sein Weg ihn von Luna getrennt hatte, hatte Syllvren kaum mehr gerastet. Unermüdlich hatten ihn seine Füße durch die Wälder getragen, anschließend in Richtung Norden, den kleinen See südlich der Elfenwälder angepeilt. Anfangs war er noch schnell vorangekommen, doch mit jedem vergangenen Tag verlor er an Zeit. Er war erschöpft – körperlich und geistlich. Noch immer hatte er es nicht vollkommen verkraften können, dass Luna nicht gewesen war, für was er sie gehalten hatte. Dass seine erste Liebe für ihn in eine unerreichbare Ferne gerückt war und an der Seite dieses schleimigen Adelssohn sitzen sollte. Innerlich hatte Syllvren ihr ja schon verziehen, dass Luna ihn die gesamte Reise über einen Bären aufgebunden hatte. Eigentlich wollte er sich ja noch an ihre letzten Worte, die an ihn gerichtet worden waren, klammern, aber auch hier schoss sein Kopf dazwischen, um seine Seele zu schützen. Denn sein Kopf hatte hier wirklich Recht: Man sollte sich nicht an Dinge klammern, die für einen unerreichbar waren.
Nachdem er die Wälder verlassen hatte, sprach Syllvren jeden Abend ein Gebet zu Dark. Er bat ihn um Kraft, klagte ihn hin und wieder an. Die Frage des Grundes, warum das Schicksal ein solch perfides Spiel mit ihm spielte, wurde jeden Abend ausgesprochen. Syllvren wusste zwar genau, dass Dark davon sich kaum beeindrucken ließen würde, aber er hatte kaum einen anderen Weg, um seine Seele irgendwie zu beruhigen…

Gut ein Monat war vergangen, als Syllvren sein erstes Zwischenziel erreicht hatte: Den kleinen See im Süden der Elfenwälder. An seinem Ufer schlug Syllvren ein kleines Lager auf, machte das erste Mal auf seiner Rückreise eine Pause, die länger als nur eine halbe Stunde dauerte. Er jagte Wild, um seinen leeren Magen seit langer Zeit wieder richtig füllen zu können und wusch seinen Körper mit dem Wasser des Sees. Schlafen konnte Syllvren aber trotzdem nicht. Seine Gedanken waren weiterhin wie ein wilder Bienenschwarm, der um ihr Nest schwirrten. In Syllvrens Fall war das Nest weiterhin Luna. Egal wie sehr er sich darum bemühte, auf andere Gedanken zu kommen: Es gelang ihm einfach nicht. Die Gedanken an Luna klammerten sich förmlich fest.
Voller Frustration zerschmetterte er mehrere kleine Bäume in seiner näheren Umgebung, sein rechter Arm hatte dabei unterbewusst seine Wolfsform angenommen.
„Dark! Was habe ich dir getan, dass du mich so bestrafst?!“ Ein weiterer Schlag zertrümmerte den Baumstamm einer kleinen Eiche. Dann erstarrte sein Körper mit einem Mal. Eine Macht, die er noch nie in seinem Leben gespürt hatte, umklammerte ihn. Seine Wut flammte auf, er versuchte sich dem Klammergriff zu befreien.
„Was du mir tust? Hast du überhaupt eine Ahnung, wie du mir mit deinen depressiven Gebeten auf die Nerven gehst?! Warum Dark? Was habe ich getan? Warum ich? Ich kann es einfach nicht mehr hören!“ Ein eiskalter Schauer ließ Syllvrens Körper erzittern, lösche die Wut mit einem Schlag vollkommen aus. Im ersten Moment ging ihm durch den Kopf, dass sein Geist jetzt vollkommen verrückt geworden war. Als dann aber schließlich eine Gestalt vor seine Augen trat, wurde ihm klar, was hier vor sich ging. Seine Augen weiteten sich ehrfurchtsvoll. Vor ihm stand wirklich Dark, der Gott der Finsternis.
„D-Dark…“ Mehr Worte konnte Syllvren nicht bilden. Die Aura des Gottes war furchteinflößend, mächtiger als alles, was er je in seinem Leben gespürt hatte. Das erste Mal seit einer wirklich langen Zeit verspürte Syllvren das Gefühl, welches als Angst bekannt war. Und es war eine Angst, die an sich nicht stärker sein konnte.
„Wer denn sonst? Nach Alaana sehe ich nun nicht aus, oder?“ Grinsend setzte sich der Gott auf einen der zertrümmerten Stämme. Es amüsierte ihn sichtlich, die Furcht in dem Gesicht des Drow zu sehen.
„Jetzt mach dir nicht in die Hosen, ich habe nicht die Absicht dich gleich mit mir zu nehmen. Ich kann sowieso nicht verstehen, warum das Gerücht kursiert, dass ich die Menschen selber zu mir hole. Es reicht doch schon, wenn ihre Seelen ihren Weg zu mir finden. Aber egal, deswegen bin ich nicht hier.“ Dark schnippte einmal. Mit einem Mal spürte Syllvren, wie seine Fesseln sich lösten und er mit weichen Knien auf den Boden sackte.
„Weißt du, momentan bist du nicht der einzige, der meine Ohren mit Stoßgebeten zum bluten bringt und mich persönlich in den Wahnsinn treibt. Deine kleine Prinzessin hat mich in den letzten Tagen auch voll geschwafelt. Aber gut, sie ist die Prinzessin, da bin ich leider gezwungen mir ihr Leid anzuhören. Was mich aber auch direkt zum Anlass meines Besuches bringt…“ Vor Syllvren hockte sich Dark hin, hob seinen Kopf zu sich. Seine schwarzen Augen durchdrängten ihn.
„Ich weiß, was Luna für die empfindet und was du für sie empfindest. Bevor du jetzt also wieder mit deinem verklemmten Ehrgefühl kommst, dass du sie niemals erreichen kannst und bla, bla, bla… dann überlege ich es mir vielleicht noch mal, ob ich nicht doch deine Seele mit mir nehmen soll.“ Darks Worte erschütterten Syllvrens Körper und der Drow wusste, dass er nicht scherzte.
„Daher habe ich ein kleines Angebot für dich. Deine Prinzessin wird morgen in Kendan deinem kleinen Freund Marek heiraten. Du hast ein Problem damit und ich habe mein eigenes Problem damit, da ich kaum Lust darauf habe, die nächsten Jahrhunderte mich an Lunas Flüchen zu erfreuen. Leider bin ich nicht direkt in der Lage, diese Hochzeit zu verhindern. Da kommst du nun ins Spiel, Syllvren.“ Ein weiteres Mal schnippte Dark mit seinen Fingern. Vor Syllvren auf dem Boden bildete sich ein dunkler Nebel, der sich langsam materialisierte.
„Ich schicke dich nach Kendan, damit du deine Prinzessin entführst. Du verhinderst dort die Heirat, hilfst deinem Herzblatt und rettest meine Nerven. Damit du auch in der Lage dazu bist, habe ich hier ein paar… Geschenke für dich.“ Dark deutete auf den Nebel, welcher sich eilig zusammenzog und den Blick auf einige Dinge freigab. Ein merkwürdiger, schwarzer Stein und die Maske, die er auf dem Bankett in Morday getragen hatte. Als er an seinem Körper herabblickte, entdeckte er erstaunt, dass er mit einem Mal eine schwarze Lederrüstung trug. Das Material war überraschend leicht, schien aber dazu in der Lage zu sein, seinen Körper vor Angriffen zu schützen. Er spürte auch Magie, die durch das Leder strömte.
„Ich werde dir bei deinem Unterfangen unterstützen und deine Königin ein wenig blenden. Es wird dir somit kein Problem sein, zu deiner Prinzessin zu gelangen. Den Weg nach draußen wirst du selber finden müssen.“ Ohne nachzudenken griff Syllvren nach dem Stein, sowie nach der Maske. Instinktiv setzte er sie auf, während der Stein in einer Innentasche verstand. Er wusste nicht, was ihn diese Gegenstände brachten – aber Dark würde sie nicht umsonst beschworen haben. Als Syllvren aufblickte und in das Gesicht des Gottes blickte, lag ein zufriedenes Grinsen auf seinen Lippen.
„Eine Sache noch… Wenn ich dich gleich nach Kendan bringe, wirst du eine neue Gabe besitzen. Ich sage dir nicht, welche es sein wird, aber du wirst sie zu gebrauchen wissen, wenn du sie benötigst…“ Dark löste sich in schwarzen Dunst auf, der sich um Syllvren legte. Er atmete ein und plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen.

---> Königspalast


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