Aktuelle Zeit: 21. Sep 2017, 10:35

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 29 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 15:47 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
Als Luna erwachte, machte sie sich auf Schmerzen gefasst, die jeden Moment durch ihren Körper rasen müssten. Doch die Schmerzen kamen nicht. Jedenfalls nicht in dem Ausmaß, den sie erwartet hatte. Noch immer spürte sie einen gewissen Schmerz bei ihren Rippen und es zog sich ein stechender Schmerz von ihrer Schulter zu ihrem Hals hinauf. Aber der Schmerz in der Brust war weg. Vorsichtig tastete Luna ihren Oberkörper ab. Hie und da waren kleine Schnittwunden, aber die große, klaffende Wunde war verschwunden. Alles, was von ihr übrig geblieben war, war ein unglaubliches Gefühl der Erschöpfung.
Langsam richtete sich Luna auf und blickte sich um. Die Lichtung sah aus wie ein einziges Schlachtfeld. Beinahe direkt neben Luna lag Syllvren im Gras, schwer atmend und mit einer Wunde auf der Brust, die gestern noch nicht da gewesen war…
In den ersten Minuten nach ihrem Erwachen konnte Luna keinen klaren Gedanken fassen. Sie stand mühsam auf und machte eher mechanische Bewegungen. So ging Luna über die Lichtung und suchte die Stelle ab, wo sie Syllvrens Amulett vermutete. Tatsächlich fand sie es und brachte es zurück zu Syllvren, dem sie es in die Hand legte. Erschöpft von dieser kurzen Kraftanstrengung blieb sie neben dem Drow im Gras sitzen und betrachtete ihn schweigend.
Es war kaum zu glauben, dass dieser Mann eine so große Gefahr darstellte. Überhaupt war es kaum fassbar, was in den letzten paar Tagen vorgefallen war. Es war alles Feritas‘ Schuld… „Sollte ich diese Schlange je in die Finger kriegen, werde ich eigenhändig dafür sorgen, dass sie für das hier bezahlt!“, dachte sie wütend, versuchte dann aber, die Naga aus ihren Gedanken zu entfernen. Sie war es nicht wert, dass man über sie nachdachte.
Stattdessen betrachtete Luna Syllvrens neueste Verletzung. Sie war an derselben Stelle, wie die Wunde an Lunas Körper gewesen war. Sie wusste nicht wirklich, was das bedeuten mochte, aber es tat gut, nicht unfassbare Schmerzen zu erleiden. Müde legte Luna eine Hand erst auf Syllvrens Brust und heilte die Wunde und heilte im Anschluss die Verletzung in seinem Gesicht. Es blieben helle Narben zurück auf der dunklen Haut des Drow. Kurz huschte ein Lächeln über Lunas Gesicht. Sie beide waren auf ewig von diesen Kämpfen gekennzeichnet.
Obwohl sich Luna sicher war, dass sie einige Stunden geschlafen haben musste, fühlte sie sich unsagbar müde und erschöpft. Die zwei schlaflosen Tage und die Kämpfe hatten ihre Spuren hinterlassen. Kurzerhand nahm sich die Halbelfe Syllvrens Reiseumhang und schlang ihn um ihren unterkühlten Körper. Dann legte sie sich an der Stelle, an der sie saß, in das Gras, schloss die Augen und fiel erneut in einen tiefen Schlaf.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 17:57 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
Ein Krieger ist stolz auf seine Narben… Was sich dieser dunkelelfische Narr mit seinem vernarbten Gesicht nur für einen Irrsinn geredet hat. Damals hatte Syllvren noch gedacht, dass seine erste Narbe eine glorreiche Geschichte tragen würde. Jetzt hatte er zwei Narben und nicht eine von ihnen war mit Ruhm beschrieben. Vorsichtig strich Syllvren über die geschlossene Wunde über seiner Brust. Ein leichtes Ziehen durchzuckte seinen Körper. Mit letzter Kraft setzte er sich auf und schleppte sich zu einem Baumstumpf, an welchen er sich sogleich lehnte. Die Nähte seiner Kleidung waren gerissen und auch an vielen weiteren Stellen sah sie nicht wirklich heile aus. Die Hose war zerfleddert und hang gerade noch so an seinen Hüften. Wenigstens war sie noch so heile, dass sie ihre Funktion erfüllte und man sie tragen konnte. Aber darüber konnte sich Syllvren noch später Gedanken machen. Leise seufzend riss er sich das schwarze Oberteil vom Körper und warf den zerfetzten Stoff einfach neben sich. Den Kopf in den Nacken gelegt schloss er seine Augen und ging das erste Mal seit Tagen in einen erholsamen und natürlichen Schlaf über.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 18:23 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
Erst tief in der Nacht erwachte Luna wieder. Noch immer schmerzte ihr Körper ein wenig, aber sie fühlte sich ausnahmsweise ausgeruht und fit. Es war ein wunderbares Gefühl. Langsam setzte sie sich auf und blickte einen Moment lang in den wolkenbehangenen Sternenhimmel. Kurz erhaschte sie einen Blick auf den Mond, dessen Gestalt bereits wieder am Abnehmen war. Erst in einem Monat wieder würde Syllvren eine Gefahr für seine Umwelt darstellen. Syllvren…
Suchend blickte Luna sich auf der Lichtung um und erblickte schon bald den Drow an einem Baumstumpf lehnen. Sie war sich nicht sicher, ob er schlief oder wach war. Deshalb ging sie leise auf ihn zu und setzte sich links neben ihn in das Gras. Sie wagte es nicht, ein Wort zu sagen, falls der Mann neben ihr noch schlief, denn auch er hatte sich einen erholsamen Schlaf redlich verdient. Ihr Magen hielt jedoch nichts von ihrem Vorhaben, die Stille zu bewahren. Er knurrte laut vernehmlich, schließlich hatte sie seit Tagen kaum etwas gegessen. Ihr Rucksack lag nicht weit entfernt und Luna wusste, dass darin sicherlich noch etwas Brot und vielleicht auch noch ein paar Äpfel lagen. Aber sie weigerte sich vehement aufzustehen und zu ihrem Rucksack zu gehen. Zum einen wollte sie sich nicht unnötig bewegen und zum anderen gefiel ihr es auf diesem Platz ganz gut.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 18:46 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
Syllvren schlief in diesem Augenblick keines Falls und spürte deutlich, dass Luna sich neben ihn platziert hatte. Irgendwie fühlte er sich… merkwürdig. Jetzt, da Feritas die Gruppe verlassen hatte und nicht mehr in seiner Nähe war, klaffte ein leeres Loch in seinem Inneren. Seine Gedanken versuchten sich daran zu erinnern, was vor seiner Verwandlung passiert war. Alles war verschwommen und wild durcheinander, nur der grelle Vollmond war das deutlichste, was er wahrnehmen konnte. Was war nur geschehen, dass das Amulett nicht mehr an seinem Hals hing und er zu der wilden Bestie geworden war, die doch beinahe Luna getötet hätte. Irgendwie musste er versuchen, die Wahrheit zu erfahren. Und er war sich ganz sicher, dass Luna ihm diese sagen könne.
Das Geräusch ihres Magens, der sich anscheinend nach etwas essbarem sehnte, brachte ihn zum schmunzeln. Als Luna dennoch nicht aufstand um an die Vorräte, welche sie normalerweise in ihrem Rucksack mit sich trug, zu gehen, öffnete Syllvren schließlich die Augen. „Wenn euer Magen knurrt solltet Ihr doch lieber etwas zu essen holen.“ Er legte vorsichtig seinen Kopf zur Seite. Seinen Reiseumhang hatte sie immer noch um ihren Körper gewickelt. Konnte er gut verstehen, immerhin war es doch ziemlich kalt diese Nacht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 19:03 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
Er war wach. Seltsamerweise war es Luna peinlich, dass er ihren Magen so laut knurren hatte hören und ein wenig Blut schoss in ihr Gesicht, was hoffentlich unter dem ganzen Dreck und getrocknetem Blut nicht zu sehen war. „Mein Magen kann sicherlich noch einige Minuten warten“, entgegnete sie und wandte den Kopf in seine Richtung. Dabei spürte sie einen ziehenden Schmerz in Hals und Schulter, aber es war nicht weiter tragisch.
Ihr Kopf und ihr Magen schienen nur leider verschiedener Meinungen zu sein. Wie zum Protest knurrte ihr Magen erneut und rief nach Essen. Murrend erhob sich Luna dann doch, ignorierte Syllvrens Schmunzeln und ging ihren Rucksack holen, mit dem sie sich dann neben den Drow fallen ließ. Kurz wühlte sie darin herum und holte schließlich einen Brotlaib heraus, den sie in der Mitte teilte und die eine Hälfte Syllvren gab.
Schweigend begann Luna ihre Hälfte des Brotes zu essen, doch wirklichen Appetit hatte sie einfach keinen. Nicht, solange diese gewisse Spannung zwischen ihr und Syllvren bestand. Es war etwas Merkwürdig für Luna, jetzt neben Syllvren zu sitzen. Die letzte Woche über hatte sie ihn völlig ignoriert, während er um Feritas – Luna fluchte in Gedanken – herumgetänzelt war, ohne dass er das wirklich bemerkt zu haben schien. Jetzt war Feritas weg und damit auch die Bedrohung. Es gab nun keinen Grund mehr, ihn anzuschweigen. Und Luna wollte ihn auch nicht länger ignorieren. Aber es fiel ihr schwer, ein Gespräch anzufangen.
„Kaum zu glauben, was in den letzten Tagen passiert ist“, begann sie schließlich. „Erst euer Fiebertraum“, Lunas Blick zuckte zu ihrer Schulter und Syllvrens Gesicht, „dann meine Rangelei mit Feritas“, Luna blickte zu Syllvren und wartete einen Moment, wie er darauf reagierte, dass sie sich mit seiner „Liebsten“ geprügelt hatte, „Und dann verschwindet diese Schlange einfach, nachdem sie Euch Euer Amulett entwendet hat und Euch gegen mich aufgehetzt hat“, fuhr sie fort, nachdem Syllvren nicht reagierte. Kurz blickte sie auf Syllvrens nackte Brust, auf der sich nun große, helle Narben abzeichneten. Dann blickte sie in den Himmel. Würde er ihr überhaupt glauben? Feritas hatte ihn schließlich ganz schön um den Finger gewickelt gehabt und er hatte Luna auch nicht geglaubt gehabt, als sie ihm ihre Bedenken geäußert hatte. Und dennoch hatte er gezögert, als Feritas ihm erzählt hatte, dass Luna sie angeblich attackiert hatte. Vielleicht war Syllvren ja doch kein hoffnungsloser Fall…

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 19:29 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
Aufmerksam hörte Syllvren der Erzählung seiner Begleiterin zu. All die Dinge, die sie über Feritas erzählte, klangen im ersten Moment so gar nicht nach der Blutelfe, die er doch in sein Herz geschlossen hatte. Trotzdem… langsam kamen wieder Erinnerungen in ihm hoch, als seine Augen auf Lunas Narbe fielen, die von der Schulter bis zu ihrem Hals entlanglief. „Sagt mir… Warum hat mich Feritas gegen euch aufgehetzt? Ich kann es einfach nicht verstehen.“ Vorsichtig legte er das Amulett um seinen Hals, legte seinen Kopf in den Nacken und blickte in die Sterne. Unweigerlich fixierten seine Augen den Mond und augenblicklich spürte er, wie sein Amulett seine Magie verstärkte. „Und überhaupt…“ Mühsam wendete er seinen Blick von der hellen Scheibe ab und blickte direkt zu Luna. „Warum erinnert ihr mich nur so an eine Person, der ich vor so langer Zeit einmal Schmerzen zugefügt habe?“


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 19:48 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
Luna hatte bereits darüber nachgedacht, wie sie Syllvren die Sache mit Feritas nahebringen könnte – und sich dabei für die kurze, direkte Variante entschieden -, als Syllvrens zweite Frage sie etwas aus der Bahn warf. Sie erinnerte ihn an jemanden, den er vor langer Zeit verletzt hatte..? Unwillkürlich musste Luna an die Bilder denken, die ihr am vorherigen Tage durch den Kopf geschossen waren, von ihr und dem Jungen, der sie angegriffen hatte, obwohl er es nicht wollte. Sie wusste, dass es dem Jungen Leid getan hatte. Und Luna wusste auch, dass das das letzte Mal gewesen war, dass sie den Jungen gesehen hatte. Nachdem sie nämlich wieder in den Palast geschlichen war, musste Salomé irgendwie spitz bekommen haben, was Luna passiert war. Ihre Mutter hatte ihr ausdrücklich verboten, hinunter in die Stadt zu gehen. Und wenn sich Luna nicht irrte, war das in etwa die Zeit gewesen, in der Werwölfe in der Gesellschaft der Drows noch mehr sanken. Waren sie schon vorher unbeliebt gewesen, hatte man sie danach förmlich verachtet und so gut es ging aus dem normalen Alltag ausgeschlossen…
„Ich…ich weiß nicht, wieso ich Euch an jemanden erinnere“, sagte sie wahrheitsgemäß und blickte Syllvren verwirrt an. Eine unangenehme Stille entstand, in der sie sich einfach nur ansahen. Vor wenigen Stunden hatten genau diese eisblauen Augen Luna mordlustig angesehen – und jetzt war davon nichts mehr zu sehen. Sie wirkten verwirrt…und unglaublich einsam.
Widerwillig brach Luna den Blickkontakt ab und starrte in den Sumpf hinein. „Feritas. Ich muss ihn über Feritas aufklären“, sagte sie sich und sprach dann auch direkt aus, was sie ihm sagen musste. In dieser Angelegenheit um den heißen Brei zu reden, würde überhaupt nichts bringen. „Feritas“, begann sie, „ist eine verfluchte“, sie zischte noch einige abfällige drow’sche Schimpfworte, „Naga, eine Meisterin der Illusion und – man mag es nicht glauben – sogar der Verführung, wenn sie eine passende Gestalt angenommen hat. Diese Schlange hat Euch und die Zwerge verzaubert und es vor ein paar Nächten auch bei mir versucht.“ Luna konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Sie ist kläglich gescheitert und ihre Tarnung ist aufgeflogen. Sie hat versucht mich umzubringen, weil ich ihr wahres Gesicht gesehen habe und als das nicht geklappt hatte, hat sie Euch auf mich gehetzt und ist abgehauen.“ Luna schnaubte verächtlich. Und gleichzeitig war sie erleichtert. Es war einfacher, über Feritas zu sprechen und zu fluchen, als sich mit der Frage zu beschäftigen, wieso sie Syllvren an jemanden erinnerte. Das Thema war ihr unangenehm, auch wenn sie nicht verstehen konnte weshalb.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 20:07 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
„Eine Naga?“ Es klang so unglaubwürdig, dass er auf eine Naga reingefallen sein sollte. Dabei war er doch schon einmal einer dieser Wesen begegnet und hatte ihr jeden ihrer sechs Arme mit seinem Schwert vom Körper geschlagen. Damals hatten die Illusionen und Täuschungen doch nicht gewirkt. Aber Feritas… Sie hatte so gar nicht den Eindruck gemacht, dass sie so eine miese Bestie war. Naja, vielleicht war ihr Zauber noch nicht ganz verklungen.
„Aber… Es macht Sinn. Nur eine Naga kann sich so verhalten.“ Er schmerzte ihn tierisch im Inneren, dass er seinen Kopf so einfach verdrehen lassen hat. Nervös ließ er einen Stock, der neben ihm lag, mit seinen Fingern kreisen. Erst jetzt wurde ihm langsam klar, dass er die letzten Tage nur in einer Illusion gelebt hatte. Nichts von dem, was geschehen war, war echt gewesen. Er war immer noch derselbe Drow, der er vorher war. Ein Außenseiter, der in dieser Welt eigentlich nichts verloren hatte. Die Narbe auf seiner Brust war dafür nur Beweis genug. Vielleicht war es wirklich besser, wenn er nach Ende seiner Mission in Exil geht. Er konnte es einfach nicht ertragen, dass Menschen wegen ihm verletzt wurden.
Syllvren stand auf, entfernte sich ein paar Schritte vom Baumstamm und blickte in den Himmel. Alles, was er die letzten Tage gemacht hatte war nicht die Wirklichkeit gewesen. Und dennoch… Er wusste genau, dass seine Worte die Halbelfe verletzt hatten. Irgendwie war es das einzige, was er gut tun konnte: Nahestehende verletzen. Ob das Mädchen von damals oder Luna, es war immer das gleiche gewesen. „Warum bleibt ihr trotz all dieser Geschehnisse noch in meiner Nähe? Ihr müsstet doch nun wissen, dass ich gefährlich bin.“ Seine Augen suchten die Sterne, versuchten vom Mond fern zu bleiben. Funkelnd standen sie am Firmament, starrten ihn wie stumme Beobachter an. Sie waren die einzigen, die seine wahre Natur kannten. Und sein größtes Geheimnis.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 20:29 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
Einen Moment lang schwieg Luna und starrte unentwegt zu Syllvren, welcher starr gen Himmel blickte. Ja, wieso blieb sie bei ihm? Weil sie einen Werwolf untersuchen wollte? Nein, das war eindeutig nicht der Grund. Wäre das der Grund, wäre sie eine Verrückte, die sich nach dem Tod sehnen musste. Mittlerweile wusste Luna nämlich zu gut, dass ein Werwolf tatsächlich eine ernstzunehmende, lebensgefährliche Bedrohung darstellte. Und trotzdem blieb sie. Sie war sogar geblieben, als sie sich mit ihm zerstritten hatte und ihn ignoriert hatte. Wieso war sie noch da?
Da fiel Luna etwas ein, dass sie Syllvren in den Minen der Zwerge gesagt hatte, nachdem er von der Riesenspinne attackiert worden war. Lächelnd stand Luna auf und trat auf Syllvren zu. „Warum ich noch da bin, ja?“ Luna blickte erst zu Syllvren und dann ebenfalls in die Sterne. „Weil wir Freunde sind.“ Schmunzelnd stellte Luna fest, dass Syllvren den Blick von den Sternen abwandte und sie verwirrt, beinahe ungläubig anblickte. „Das habe ich doch schon einmal gesagt gehabt. In den Minen, erinnert Ihr Euch noch? Dort habe ich auch schon gesagt, dass wir Freunde sind und ich mir deshalb Sorgen um Euch mache. Seht mich nicht so an, Syllvren“, lachte Luna amüsiert. „Ihr seid sehr selbstzerstörerisch, wisst Ihr das? Ihr reduziert Euch selbst auf einen unwürdigen Werwolf, der eine Gefahr für die ganze Welt darstellt und es wohl am ehesten verdient hat, einsam an einem abgelegenen Ort zu leben. Ihr seid doch mehr, als nur ein Werwolf, mehr als nur eine herzlose, alles zerstörende Bestie! Ansonsten hättet Ihr mir doch nicht geholfen und mir meine Schmerzen genommen“, Luna deutete auf Syllvrens Brust. „Ihr seid wirklich nicht nur ein Werwolf. Und Ihr seid auch kein typischer Drow, denn die meisten die ich kenne, sind herzlose, arrogante Arschlöcher, die sich nur um sich selbst kümmern. Ihr seid anders, Syllvren, und nicht nur auf einen Aspekt Eures selbst beschränkbar.“ Luna lächelte. „Du bist du. Und du bist mein Freund.“

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 21:00 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
Sein Hals schnürte sich zu, als Luna auf die Narbe auf seiner Brust deutete. Sie war eine mächtige Zauberin, dass war ihm mehr als bewusst. Konnte sie dahinter kommen, welche Magie er hätte wirken müssen, um sie von ihrem Schmerz zu befreien? Denn auch wenn die Existenz von Blutmagie stets unter den Teppich gekehrt worden war, es gab genügend Lebewesen, die über ihre Herkunft und Wirkungsweise aufgeklärt waren. Äußerlich sah man ihn deutlich an, dass er für einen Moment nervös geworden war. Doch der Ausdruck in seinem Gesicht wich schnell einem anderen. Dem der Verwunderung und des Erstaunens. „Ihr… Du stehst mir trotz all der Dinge, die ich getan habe, noch auf meiner Seite? Sieht mich als einen… Freund?“ Seit langer Zeit zeigten sich Gefühlsregungen in seinem Gesicht. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Und du verzauberst mich jetzt auch nicht?“ Syllvren musste kurz über seine eigenen Worte lachen. Wie konnte er nur einen solch abstrusen Gedanken aussprechen? Luna war keine Naga und sie benötigte, im Gegensatz zu Feritas, keine faulen Zauber um sein Vertrauen zu gewinnen. Ihre Worte reichten hier auch. Diese einfachen Worte, die ihn doch innerlich soviel bedeuteten. Es war der Zuspruch, nach dem er sich immer gesehnt hatte. Dass er mehr als nur sein Blut ist. Das unbekannte Gefühl der Freude ergriff besitzt von ihm. Anders als die Freude, die er in Feritas Gegenwart immer gespürt hatte, war diese anders. Kräftiger. Intensiver. Um sie vollkommen zu genießen schaltete Syllvren einfach seinen Kopf aus und ließ die Gefühle für einen Augenblick vollkommen besitz von seinem Körper ergreifen. Wie aus dem Nichts schritt er auf Luna zu und drückte die Halbelfe in einer Umarmung an sich. „Danke“, flüsterte er ihr ins Ohr und löste die Umarmung nach einigen Sekunden. „Dennoch gibt es etwas, was du erfahren solltest. Du hast das Recht dazu, weil du Teil davon warst.“ Er trat einen schritt zurück. Der Mondschein tauchte seinen Körper in ein gespenstisches Licht. „Deine Narbe… Ich habe sie mit einer Art der Magie geheilt, welche selbst unter den mächtigsten Magiern dieses Kontinentes gefürchtet ist..“


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 22:13 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
„Ei-Eine Art Magie, die gefürchtet ist…?“, stammelte Luna. Nicht, weil sie sich etwa vor dem Namen der Magie fürchtete. Sondern viel mehr deshalb, weil sie von der Umarmung Syllvrens völlig überrumpelt war. Plötzlich fühlte sich ihr gesamter Körper ganz heiß an und Luna war sich sicher, wäre ihr Gesicht nicht so schmutzig, würde Syllvren geradewegs in ein knallrotes Gesicht blicken. „Reiß dich zusammen, Luna!“, schallte sie sich in Gedanken selbst, atmete einmal tief durch und machte sich dann Gedanken über Syllvrens Aussage. Magie, die auf dem Kontinent gefürchtet wurde? Das musste sich um verbotene Magie handeln, mächtige verbotene Magie. Luna legte den Kopf schief. Syllvren hatte ihre Schmerzen auf sich selbst übertragen, ihre Wunde war verschwunden und stattdessen auf seinem Körper erschienen. Das schloss einige Magiearten aus und in Lunas Kopf flackerte ein Begriff immer wieder auf. Ein Begriff, der nichts Gutes verheißen mochte, denn diejenigen, die diese Magie beherrschten, konnten furchtbare Sachen anstellen…
„Blutmagie…?“, flüsterte Luna leicht erschrocken. Und dann, ganz unvermittelt, lachte Luna. „Du vereinst wirklich einige furchtbare Dinge in dir, Syllvren. Und trotzdem bist du ein netter Kerl“, grinste sie. Doch die gute Laune hielt nicht lange. Denn dann kamen die Schuldgefühle. Syllvren offenbarte ihr gerade eines seiner bestgehüteten Geheimnisse und sie verschwieg ihm ihre wahre Identität. Sie war die Prinzessin, die er suchen sollte und zurück nach Kendan bringen sollte, doch Luna brachte es einfach nicht über sich, ihm das zu sagen. Diese Freundschaft, die sich allmählich zwischen ihnen aufbaute, würde doch sofort wieder zerbrechen, sollte er erfahren, dass sie eine Prinzessin war! Ihm, als Bastard und Werwolf, war es eigentlich verboten, mit ihr näheren Kontakt zu haben. Sie, als Adelige, pflegte normalerweise nur Umgang mit anderen Adeligen und Priesterinnen (so jedenfalls theoretisch. Sie hatte sich ja schließlich auch schon als Kind in die Slums begeben). Unwillkürlich stellte sich Luna vor, was wohl passieren würde, sollte man am Hof herausfinden, wer für ihre wunderbare Verletzung verantwortlich war…Syllvren wäre dem Tode geweiht!
„Es wäre alles so viel einfacher“, knurrte Luna in Gedanken, „Wenn ich nicht blaublütig wäre und nie wieder nach Kendan zurück kehren würde.“
Ein Seufzen verließ Lunas Kehle, dann schüttelte sie in Gedanken ihren Kopf und lächelte. Sie würde es ihm nicht sagen, ganz einfach. Dann wäre auch alles gut.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 15. Aug 2011, 10:01 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
Er konnte nicht anders als Lächeln. Obwohl er Blutmagie beherrschte und ihr beinahe einen Tod ohne Chance auf eine Wiedergeburt beschert hatte, stand sie weiterhin auf seiner Seite. Warum hatte er ihr nicht damals vertrauen können?
„Wir sollten dennoch in naher Zeit aufbrechen. Wir haben viel zu viel Zeit verloren.“ Einige Tage, die bedeuten könnten, dass die Prinzessin sonst wo sein konnte. Was wäre überhaupt, wenn sie auf ein Schiff verladen würde und als Sklavin verschifft wurde? Viele Geschichten über Sklavenhändler der Menschen von einem Ort hinter dem Horizont waren ihm bereits zu Ohren gekommen. Der Gedanke missfiel ihm vollkommen, sollte er sich aber bewahrheiten, so hatte er eindeutig ein riesiges Problem. Königin Salomé wäre diesmal garantiert nicht so gütig wie bei seinem letzten Fehlschlag. Besonders, da es hier um das Wohl ihrer Tochter ging. Nur fragte sich, wohin die gebracht worden sein könnten? Siegan, Napaj und Morday waren die einzigen Städte in Amrûn, die über einen Hafen verfügten. Und wenn Feritas nur die halbe Wahrheit ausgesprochen hatte, dann handelte es sich bei den Entführern der Prinzessin um zwei Adelige aus Morday. Und in der Soldatenhochburg des menschlichen Reiches würden sie sicherlich keine Probleme haben eine adlige Drow unauffällig zu verstecken. Der größte Teil der Menschen waren extrem rassistisch und sahen auf alles, was nicht ihrer Art angehörte, mit Misstrauen und Hass herab. Seit dem Tage, an dem ein König aus ihren Reihen auf den Thron gewählt worden war vermehrten sie sich wie die Pest auf dem Kontinent. Nur noch wenige Orte in Talath waren nicht unter ihrer Hand. Kendan, Nezawidh, Barak Din, die Dalir Desert, die Venag-Swamps und natürlich die verschiedenen Wälder, in denen kleinere Clans der Elfen ansässig waren und jeden Eindringling sofort aus ihrer Heimat vertrieben.
Nachdenkend setzte sich Syllvren auf den Boden, malte in seinen Gedanken die Karte Talaths vor seinem geistigen Auge. Sie befanden sich momentan nördlich des Sees der Wunder in einem Grenzgebiet zwischen dem Territorium der Elfen und den stinkenden Venag-Swamps. Um nach Morday zu gelangen mussten sie entweder durch die gefährliche Sumpflandschaft nach Norden gehen, oder die Elfenwälder durchstreifen. Und keine der beiden Möglichkeiten klang in Syllvrens Kopf wirklich vorteilhaft. „Sümpfe oder Wälder… Tausende Dämonen oder Waldelfen…“, murmelte er leise und blickte nachdenklich in den Himmel.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 15. Aug 2011, 19:51 
Offline
Halbelfe
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3631
Geschlecht: weiblich
„Also“, begann Luna und wägte kurz in Gedanken ab, ob sie lieber den Waldelfen oder einer Horde Dämonen begegnete. „Wenn ich die Wahl zwischen Dämonen und Waldelfen hätte, dann würde ich mich eindeutig für die Elfen entscheiden. Diese sind wenigstens zivilisiert und der Sprache mächtig. Es mag sein, dass sie uns nicht freundlich gesinnt sein werden, sollten sie uns in ihren Wäldern erwischen, aber sie werden uns garantiert nicht sofort umbringen, wenn sie uns sehen“, fand Luna und wickelte den Mantel enger um sich. Ihr war kalt und es war nicht unbedingt angenehm, in zerfetzter und blutdurchtränkter Kleidung herumzulaufen. Ihr war es schon beinahe egal, wo sie lang laufen würden, solange sie so schnell wie möglich frische Kleidung bekommen würde!
Luna blickte zwischen den Sümpfen und dem Wald hin und her. Links waren die Sümpfe, dunkel, düster und stinkend nach Tod, Dämonen, Monstern und sonstigen unangenehmen Dingen. Rechts lag der Wald, einladender als die Sümpfe und voller Geheimnisse und unsichtbarer Gefahren. Darin lebten die Hoch- und Waldelfen, abseits der menschlichen Völker. Natürlich würden die Elfen sie zwei nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen, doch Luna war weitaus wohler bei dem Gedanken, den Wald zu betreten, als in den Sümpfen umher zu stapfen.
„Ja, ich denke, wir sollten in den Wald gehen.“

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 15. Aug 2011, 20:15 
Offline
Dunkelelf
Benutzeravatar

Registriert: 09.2008
Beiträge: 3638
Wohnort: Überall dort, wo ich willkommen bin
Geschlecht: männlich
„Gut. Dann hoffe ich bei Dark, dass die Elfen ihre Augen nicht auf uns richten werden. Ich habe keine wirkliche Lust auf eine Begegnung mit diesen Baumkuschlern.“ Dann war es also beschlossene Sache, dass sie den wohl angenehmeren Weg durch die Wälder nehmen würden. Eine Begegnung mit einer Hand voller Elfen war ihm da wirklich auch lieber, als dass er durch eine stinkende Brühe waten musste, in welcher sich etliche Kreaturen sich befinden konnten und wahrscheinlich auch tagtäglich ihre Geschäfte erledigten. Bei dem Gedanken, dass dieser Sumpf eigentlich nichts anderes als ein gigantisches Klo für Dämonen und andere Monster war, drehte sich Syllvren der Magen ein wenig um. Jetzt wollte er erst Recht nicht mehr diesen Sumpf durchqueren. Der Gestank, den er ausstrahlte, ließ sich durch seinen Gedankengang doch sehr gut begründen. Warum noch niemand anderes auf diese Idee gekommen war verwunderte ihn dennoch ein wenig.
„Dann würde ich vorschlagen, dass wir am besten direkt aufbrechen. Die Sümpfe wären nachts zu gefährlich, aber im Wald gibt es eigentlich keine gefährlichen Dämonen. Maximal ein paar nachtaktive Wölfe sollten uns da über den Weg laufen.“ Und um Klamotten könnten sie sich kümmern, wenn sie die Elfenwälder und die Sümpfe weit hinter sich gelassen hätten.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 29 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker