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 Betreff des Beitrags: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 13. Aug 2011, 20:48 
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Dunkelelf
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Die folgenden Tage vergingen wie im Flug. Sie brachten das riesige Gebirge schnell hinter sich und näherten sich langsam dem Sumpfgebiet. Syllvren und Feritas verstanden sich prächtig und auf den wenigen Zwischenaufenthalten, die sie machten, kamen sie sich von Mal zu Mal näher. Irgendwann, es war der dritte Tag gewesen, nachdem sie das Gebirge verlassen hatte, stieß Luna zu Syllvren vor und bat ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Etwas irritiert über ihr Verhalten ließ er sich jedoch darauf ein. Luna erzählte ihm einige Dinge, die ihr komisch über Feritas vorkamen. Auch die Tatsache, dass sie auf einmal so viel Zeit miteinander verbrachten und sie, ihrer Meinung nach, irgendwas Merkwürdiges im Schilde führt. Als sie jedoch diese Behauptung hervorbrachte, konnte Syllvren sie einfach nicht mehr verstehen. Er warf ihr an den Kopf, dass sie wahrscheinlich nur eifersüchtig auf Feritas sei, weil sie sich so gut mit ihm verstand und sie all diese Behauptungen nur erfunden hatte, um ihn misstrauisch gegenüber ihr zu machen. Als Belohnung für diese Behauptung hatte er beinahe eine saftige Ohrfeige bekommen, welche sie jedoch kurz vor seiner Wange abbrach. Stattdessen fing sie an, Syllvren einfach zu ignorieren.

Am nächsten Abend bewegte sich die Gruppe durch ein kleines Waldstück, welches am Rande der großen Elfenwälder lag. Syllvren war den ganzen Tag schon über warm, hin und wieder erlitt sein Körper einen leichten Schwindelanfall. Gekonnt überdeckte er seinen schlechten Zustand und quälte sich beinahe schon durch den Wald. Als es aber dämmerte fiel es dem Drow immer schwerer die Fassade zu bewahren. Seine Schritte wurden ungenau, sein Körper schwankte ein wenig und die Hitze, die er in seinem ganzen Körper spürte, war nun auch auf seinem Gesicht sichtbar geworden. Gerade wollte er eine Pause vorschlagen, als seine Beine unter ihm wegsackten und er, wie ein nasser Sack, auf den weichen Waldboden fiel.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 13. Aug 2011, 23:24 
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Halbelfe
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Luna bemerkte im ersten Moment gar nicht, dass Syllvren umgekippt war und mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden aufgekommen war. In den letzten Tagen war sie so darauf konzentriert gewesen, alles, was mit Syllvren zu tun hatte, zu ignorieren, dass sie nicht einmal das Geräusch seines Aufschlages wirklich wahrnahm. Eigentlich hatte sie ja nicht nur Syllvren ignoriert, sondern auch mit Feritas kaum ein Wort gewechselt, da sie ihr nicht traute. So hatte sie in der letzten Woche so gut wie nie ein Wort gesprochen und war vor den beiden Turteltauben her gelaufen, ohne eine wirkliche Gruppe mit ihnen zu bilden. Sie schlief ein Stück von ihnen entfernt – wenn sie überhaupt schlief. Luna traute Feritas zu, dass sie sie einfach in der Nacht abstechen würde oder wieder diesen merkwürdigen Singsang Syllvren gegenüber anfangen würde -, machte sich manchmal ihr eigenes kleines Feuer und während zufälligen Kämpfen kämpfte Luna alleine und nicht mit den anderen zusammen.
Erst Feritas‘ Aufschrei brachte Luna zum Stehen. „Syllvren! Was ist passiert? Syllvren?“ Luna drehte sich um und sah zu, wie Feritas sich neben dem Drow auf den Boden warf, ihn auf den Rücken drehte und ihn panisch musterte. Sie wirkte irgendwie hilflos mit dem am Boden liegenden Syllvren. Plötzlich drehte sie sich zu Luna um, die teilnahmslos daneben stand. „Ihr! Luna, Ihr seid eine Heilerin, nicht wahr?! Tut irgendetwas!“, herrschte Feritas sie an und Luna könnte schwören, ein triumphartiges Funkeln in ihren Augen zu sehen. Es kam tatsächlich noch zu dem Tag, an dem Feritas ihr etwas sagte, dass Luna dann auch noch befolgte.
Finster dreinblickend kniete sich Luna auf die andere Seite Syllvrens. Ein Blick genügte ihr, um zu sehen, dass er übermäßig schwitzte; seine Stirn war ganz heiß und sein Atem ging schnell und flach, beinahe keuchend. „Er hat Fieber“, sagte Luna knapp und schüttelte den Drow kurz an den Schultern. „Syllvren, versteht Ihr mich? Syllvren?“ Der Drow antwortete nicht und gab auch sonst kein Zeichen, dass er sie wahrnahm. Das war nicht gut.
„F-Fieber? A-Aber das ist doch nicht schlimm, oder? Er wird doch wieder gesund!“ Luna hob den Kopf und hörte Feritas weiter zu. „Ihr seid Heilerin! Dann könnt Ihr ihm sicher irgendetwas verabreichen, um ihm zu helfen! B-Braucht Ihr irgendwelche Kräuter? Ich geh sie holen! Lasst mich bitte irgendetwas machen, um ihm zu helfen!“ Feritas klang verzweifelt und flehend, aber Luna verengte die Augen zu Schlitzen. Um Feritas Mund zuckte immer wieder ein finsteres Lächeln und ihre Augen funkelten seltsam. Luna wusste, dass sie Feritas nicht aus den Augen lassen durfte. Sie durfte sie nicht weg schicken. Und doch…Ihr war es lieber, wenn Feritas jetzt nicht mit Syllvren alleine war.
„Gut. Wenn Ihr wollt, dann besorgt mir einige Pflanzen.“ Luna begann die Kräuter zu beschreiben, die sie für einen fieberlindernden Trank brauchte. „Sofort! Los!“, herrschte sie Feritas an, blickte ihr nach, als sie in den Sumpf verschwand, und blickte dann hinab zu dem sich windenden Syllvren. Er schlief einen unruhigen, fiebergeplagten Schlaf. „Ihr solltet hoffen, dass Feritas mit den Kräutern zurückkehrt…Ansonsten muss ich mit dem improvisieren, das ich habe. Und das ist wahrlich nicht viel“, sagte sie leise und musste sich zähneknirschend vorerst damit begnügen, ein Tuch in Wasser zu tränken und Syllvren dann auch die Stirn zu legen, damit seine Temperatur nicht ins Unermessliche stieg. Dann wischte sie sich einige Tränen aus dem Gesicht, biss sich auf die Lippe und starrte in den Sumpf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 13. Aug 2011, 23:48 
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Dunkelelf
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Syllvren war gefangen. Tief in seinem Körper, umgeben von lodernden Flammen und stechenden Schmerzen, die seinen Körper malträtierten. Merkwürdige Gestalten tanzten in den Flammen um ihn herum. Sie alle hatten einen menschlichen Körper, aber ihre Gesichter waren zu monströsen Fratzen verzerrt, die durch das Schattenspiel der lodernden Flammen ihm noch gruseliger erschienen. Überall waren sie, egal, wo er auch hinblickte. Er schlug nach ihnen, doch seine Hand glitt einfach durch sie hindurch, verwischte ihre Körper zu Schemen, die sich daraufhin wieder zusammensetzten. Ein gackerndes Gelächter hallte durch seinen Kopf, die Flammen verfärbten sich gespenstisch Blau und nahmen noch einmal an Größe zu. Immer näher kamen ihm die gespenstischen Gestalten, deren Köpfe sich immer mehr verzerrten und allmählich schienen sie auch an Größe zu gewinnen. Stimmen mischten sich unter das Gelächter. Er war sich sicher, dass einige dieser Stimmen ihm bekannt vorkamen. Seine Erinnerungen versagten ihm aber beim Versuch sie irgendwie einzuordnen. Immer wieder schlug er um sich, zerriss die Wesen mit seinen Händen. Ohne es zu bemerken griff er auf seine Instinkte zu, ließ seine Hände zu Klauen werden und griff weiterhin die Fratzen an. Mit einem Mal wuchsen die Köpfe erneut, schienen das Feuer einzusaugen, ehe sie mit einem lauten Knall platzten und Syllvren in einem Meer aus Flammen zurückließen.
Mit einem schmerzenden Aufschrei riss der Drow die Augen auf und schoss erschrocken in die Höhe. Das nasse Tuch rutschte ihm von der Stirn, während er tief ein und ausatmete. Sein Körper war verschwitzt, seine Hände zitterten. Seine Augen fixierten einen Baumstamm, der nicht fern von ihm stand. Und er sah sie wieder: Die grässlichen Fratzen, die um ihn getanzt hatten. Sie schienen aus dem Baum zu ragen, beinahe vollkommen natürlich. „Verschwindet…“ Seine Augen glühten augenblicklich eisblau auf. Die Arme überzogen sich mit dunklem, schwarzem Fell, während seine Hände wieder ihre Form zu Wolfsklauen veränderten. Mit einem wütenden Schrei stand er auf und sprang auf den Baum zu, ließ das Holz unter seinen Klauen zersplittern. Er drehte sich um. Überall waren sie wieder, jeder Baum trug ihr eigenes, verzerrtes Gesicht, welches ihn hämisch angrinste. „Verschwindet!“ Ein weiterer Sprung und ein weiterer Hieb sorgte dafür, dass der nächste Baum umknickte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 00:03 
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Halbelfe
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Erschrocken schreckte Luna in die Höhe, als Syllvren plötzlich begann, die Bäume in naher Umgebung zu Kleinholz zu verarbeiten. Er schlug wild um sich und brüllte ununterbrochen Personen an, die nicht da waren – er halluzinierte. „Syllvren, Stopp!“, rief Luna ihm entgegen und wollte ihn davon abhalten, noch einen Baum zu zerstören. Sie sprang auf ihn zu und griff nach seinem Arm. „Hört auf damit!“ Aber er starrte sie nur an – in seinen Augen las sie Verwirrung, Panik und Mordlust, wie sie sich jedes Mal in seinen Blick mischte, wenn er seinen Instinkten nachgab. Zu spät begriff Luna, dass es nicht die klügste Entscheidung gewesen war, ihn anzusprechen oder gar zu berühren. „VERSCHWINDET!“, brüllte er ihr entgegen und schlug nach ihr. Gerade noch rechtzeitig duckte sich Luna unter dem Schlag hin weg und sprang im nächsten Moment nach hinten. Sie fluchte in Gedanken. Jetzt hatte sie Syllvren komplette Aufmerksamkeit für sich allein – und sie würde nicht einfach verschwinden.
„WEG MICH EUCH!!“, brüllte Syllvren und stürzte auf Luna zu, wohl in der festen Absicht, sie zum Verschwinden zu bringen; sie zu töten.
So gut es ging wich Luna den Schlägen Syllvrens aus und entkam knapp einem Auraangriff, den er plötzlich einsetzte. Immer wieder versuchte sie, mit ihm zu reden und ihn zu beruhigen. „Syllvren, hier ist niemand!“ „Ihr seid nicht in Gefahr!“ „Syllvren, hört auf!“ Vergebens.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 00:13 
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Dunkelelf
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Zorn mischte sich in Syllvrens Gesichtsausdruck. Die merkwürdige Gestalt war anders als die anderen, sie wich seinen Angriffen aus. Aber er war sich bei einer Sache sicher: Diese Stimme war es, die in seinem Kopf gewesen war. Und sie redete weiter, unverständliche Dinge, die seine Ohren erreichten. Er wollte sie zum schweigen bringen, Ruhe haben. Sein Fell breitete sich weiter aus, sein gesamter Körper wurde in es eingehüllt. Nur sein Kopf blieb von der Verwandlung verschont. Mit der Verwandlung veränderte sich auch Syllvrens Geschwindigkeit. Er war mit einem Mal um einiges schneller und flinker, griff den vermeintlichen Feind von allen möglichen Richtungen an. Jeder Angriff war ein anderer, immer überraschend und nicht vorhersehbar. Hin und wieder trafen seine Klauen ihren Körper, hinterließen anfangs leichte, später schon tiefere Wunden. Aber diese Gestalt verschwand einfach nicht, sie löste sich auch nicht auf. Stattdessen schien es mit einem Mal so, dass er seine Bewegungen veränderte. Die Worte waren verstummt und sie rannte nicht mehr zurück. Stattdessen hatte sie mit einem Mal etwas in der Hand. Etwas spitzes, gefährliches, was alle Alarmglocken in Syllvren Kopf läuten ließ. Gerade wollte er mit seiner Klaue nach ihrem Kopf stoßen, als sie sich zur Seite rollte. Und dann spürte er nur, wie eine Woge sengenden Schmerzes seinen Körper erschütterte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 00:39 
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Halbelfe
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Mit jeder zusätzlichen Wunde, die Syllvren ihr zufügte, wurde Luna wütender und rasender. Schließlich verwarf sie ihr Vorhaben, Syllvren tapfer auszuweichen und auf ihn einzureden, und beschloss ihn direkt anzugreifen, sobald sich die Gelegenheit bot. Und sie bot sich ihr, gleich nachdem Syllvren ihr mit den Klauen die rechte Schulter hinauf zum Hals aufgeschlitzt hatten. Das Adrenalin, das durch ihren Körper schoss, verhinderte, dass sie vor Schmerz aufschrie und in die Knie ging. Stattdessen zückte sie einen Dolch aus ihrem Stiefel und rollte sich unter einem erneuten Angriff weg. Und im nächsten Moment schlitzte sie Syllvren mit einem gezielten Hieb die linke Gesichtshälfte von der Schläfe hinunter zum Kinn auf. Der Schnitt an sich war nicht tief, doch der Dolch war in Finstermagie getunkt gewesen und diese wirkte nun ätzend auf Syllvrens Gesicht, die einzige Körperstelle, die nicht von Fell geschützt war. Er schrie auf vor Schmerz und sank zu Boden. Sofort wich Luna zurück, bis sie an einen heilen Baumstamm stieß. Ihre Schulter schmerzte am meisten von allen Wunden, pochte unerlässlich. Der Dolch in ihrer Hand fiel hinab in das spärliche Gras des Waldausläufers.
In Lunas Ohren mischten sich Syllvrens Schmerzschreie mit dem Rauschen ihres Blutes. Es tat so weh…Dieser verdammte Drow! Mit jeder Sekunde wurde das Adrenalin schwächer und der Schmerz immer deutlicher. Schließlich keuchte Luna auf, bevor sie einen Schmerzschrei ausstieß. Nur mit Mühe konnte sie sich auf den Beinen halten und einen weiteren Schrei unterdrücken; gegen die Tränen konnte sie jedoch nichts ausrichten.
Eine Hand presste Luna auf ihre Schulter, bevor sie den Blick hob und durch den Tränenschleier hindurch zu Syllvren blickte. Er hatte Schmerzen. „Geschieht dem Mistkerl recht“, dachte Luna in einer plötzlichen Woge der Wut, die jedoch schnell wieder verebbte. Sie hörte seine qualvollen Schreie. Sie zu hören tat beinahe noch mehr weh, als selbst wie zu bluten wie ein abgestochenes Schwein. Schließlich stieß sich Luna vom Baum ab und humpelte auf Syllvren zu, ließ sich neben ihm ins Gras fallen. „Hört endlich auf zu jammern!“, knurrte sie, legte ihre rechte Hand auf sein Gesicht – allein diese Bewegung ihres Armes brachte sie wieder zum Keuchen – und leitete die Finstermagie von seinem Gesicht wieder zurück in ihren Körper. Die Schreie des Drow wurden leiser, nachdem die Magie aufgehört hatte, sich durch sein Gesicht zu fressen. Die Schnittwunde auf seiner linken Gesichtshälfte war nun weitaus tiefer als vorher und wohl auch ein wenig breiter. Am Rand der Wunde hatten sich Verätzungen gebildet. Aber vorerst kümmerten diese Wunden Luna nicht. Sie krabbelte rückwärts, um Raum zwischen sich und Syllvren zu schaffen. Nur mit Mühe konnte sie sich aufrecht halten; sie wollte ihn unbedingt im Auge behalten. Wer wusste schon, ob er sie jeden Moment wieder angreifen würde…

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 00:54 
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Dunkelelf
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Die Klaue zuckte in regelmäßigen Abständen, während Syllvren auf dem Boden lag. Die Wogen des Schmerzens hatten ihm das Bewusstsein geraubt und nur seine Instinkte kämpfen momentan gegen die Umarmung der Dunkelheit, die wie ein Schleier um sein Gehirn lag, an. Dennoch dauerte es nicht lange, bis sie an Kraft verloren und erschöpft in ihr Gefängnis zurückkehren, Syllvrens Körper kraftlos zurückverwandeln ließen. Die Fieberträume waren verschwunden und sollten auch nicht wieder zurückkehren. Nur seine Temperatur war noch stark erhöht. Mit tiefen, regelmäßigen Atemzügen lag er nun reglos auf dem Boden, während sein Körper noch gegen das Fieber ankämpfte.
Eine Viertelstunde verging, ehe Feritas mit einigen Kräutern in der Hand beim Lager auftauchte. Erschrocken rannte sie auf Syllvren zu, als sie die Narbe in seinem Gesicht entdeckte. Die Verletzungen der Halbelfe ignorierte sie hierbei gekonnt. „Was habt ihr getan? Wollt ihr Syllvren umbringen?!“ Sie blickte Luna finster an und für einen Augenblick blitzten die gelben Augen einer Schlange hervor.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 10:34 
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Halbelfe
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„Was für einen Grund“, begann Luna knurrend und starrte wütend zu Feritas hinüber, „Sollte ich bitteschön haben, Syllvren umbringen zu wollen?!“ Syllvren umbringen! Pah! Dafür gab es keinen Grund. Wenn Luna jemanden töten wollte, dann war es am ehesten Feritas, auch wenn es ihr eigentlich am liebsten wäre, wenn diese Frau einfach verschwinden würde, sodass sie sich nicht die Hände an ihr schmutzig machen musste.
Durch ihren Tränenschleier sah Luna nicht viel, sie bemerkte nur, dass Feritas Augen für einen Moment merkwürdig gelb leuchteten, allerdings waren ihre Schmerzen zu groß, um das zu deuten oder gar wirklich wahrzunehmen.
Sie wandte ihren Blick von Feritas ab und blickte stattdessen zu dem schlafenden Syllvren. Er blutete sehr aus der Wunde, die sie ihm zugefügt hatte, aber nicht zu sehr, als dass Luna sich aufrichtig Sorgen um ihn machte. Er würde vorerst nicht verbluten. Erst einmal würde sie sich selbst heilen müssen, dann ein wenig ruhen und danach würde sie sich um Syllvren kümmern. Vielleicht.
„Ich habe mich nur verteidigt. Er hatte Halluzinationen und griff mich an“, fuhr sie fort. Mühsam kroch sie zu einem nahegelegenen Baum, an den sie sich lehnen konnte. Dann legte sie wieder die Hand auf ihre Schulter und begann diese Wunde zu heilen. Für einen Moment brennte sie noch mehr, als davor, aber dann ließ der Schmerz etwas nach und die Wunde blutete nicht mehr. Luna wischte etwas von dem Blut von ihrer Schulter und betrachtete so gut es ging die Verletzung. Syllvrens Angriff hatte helle Narben auf ihrer Haut hinterlassen, die sich von ihrer Schulter bis hoch zu ihrem Hals erstrecken mussten. Hoffentlich war dies die einzige bleibende Narbe...
Gekonnt ignorierte Luna, wie Feritas ihr immer wieder finstere Blicke zuwarf und ansonsten Syllvrens Kopf streichelte. Stattdessen konzentrierte sich Luna vollkommen darauf, ihre zahlreichen Verletzungen heilen zu lassen. Es war ein anstrengender, kräfteraubender Vorgang und kaum hatte Luna die letzte Wunde geheilt, schlief sie ein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 10:48 
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Dunkelelf
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Bekannte Stimmen drangen zu ihm durch. Es war schwer sich auf sie zu konzentrieren und den Inhalt ihrer Worte rauszufiltern, aber Syllvren wusste genau, dass sie Luna und Feritas gehörten. Die Stimme der Halbelfe verstummte irgendwann und nur noch Feritas war da. Es war merkwürdig, doch spürte er das warme Prickeln auf seiner Haut, als sie ihn berührte. Ihre wundervoll klingende Stimme erfüllte irgendwann seinen Körper, durchflutete ihn wieder mit etlichen wundervollen Gefühlen. Es war schon merkwürdig, dass er sich so wohl in Feritas Nähe fühlte. Sie gab ihm Geborgenheit und das Gefühl, dass er mehr als nur ein Bastard war. Alles andere war ihm in diesen Augenblicken egal. Solange sie mit ihm redete und in seiner Nähe war fühlte er sich… vollkommen glücklich.
Irgendwann, er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, entfernte sich ihr Gesang. Er wurde leiser, trotzdem wusste er genau, dass sie noch in der Nähe war. Wie gerne er doch jetzt einfach die Augen aufmachen und ihr wieder näher kommen wollte…


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 11:42 
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Halbelfe
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Zu Beginn war Lunas Schlaf ruhig und erholsam, ohne einen Traum, der sie verwirrte oder aufwühlte, sie sah nichts und sie hörte nichts. Es war schön, einfach nur entspannen zu können, ohne sich auf irgendetwas konzentrieren zu müssen. Nichts war da, dass ihre Aufmerksamkeit verlangte. Alles war schön…Bis die Stimme kam.
Anfangs war die Stimme nur leise und Luna konnte sie nicht verstehen. Dann, nach und nach, wurde sie lauter und kam näher. Es war eine angenehme Stimme, sie hatte etwas Engelsgleiches an sich, etwas Betörendes. Der Gesang kam immer näher und versuchte ihren Geist zu berühren. Sie lud Luna dazu ein, an einen noch schöneren Ort zu kommen, die Stimme würde ihr Geleit sein. Dort würde sie sich wirklich ausspannen können und glücklich sein können…
Jedenfalls sagte das die Stimme. Nur Luna fand ihren traumlosen Schlaf schon erholend genug und hatte kein Interesse daran, den Ort zu wechseln. Und plötzlich erkannte Luna auch den Gesang. „Feritas!“, schoss es ihr durch den Kopf. Dasselbe Lied hatte sie schon einmal gehört; Feritas hatte es in der Kammer den Männern vorgesungen. Mit einem Mal fand Luna die Stimme gar nicht mehr so engelsgleich und entspannend, sondern empfand sie vielmehr als einen ungehobelten Eindringling in ihren wohlverdienten Schlaf. Lunas ganzer Geist wehrte sich gegen den Gesang und stieß Feritas immer weiter von sich fort. „Raus aus meinem Kopf!“, dachte Luna zornig und dann…war die Stimme weg. Stattdessen hörte Luna ein lautes Keuchen. Sie öffnete die Augen und blickte wütend in das Gesicht Feritas.
„Verfluchte Schlange“, zischte sie und blickte unentwegt in das von Schuppen überzogene Gesicht Feritas‘. Nun war sie nicht mehr so schön und anmutig, fand Luna. Ganz und gar nicht. Luna sprang auf und machte einen Satz zur Seite, den schmerzenden Körper ignorierend. Wenige Meter vor ihr lag Feritas. Ihre Haut war von gelblich-grünen Schuppen überzogen, mit drei Armpaaren stützte sie ihren Oberkörper vom Boden ab und ihr mächtiger Schlangenunterleib lag in einem Kreis um sie herum. „Ich wusste es“, knurrte Luna. „Du bist eine verdammte Naga.“ Und eine Meisterin der Verführung und Illusion, wie Luna zugeben musste. Sie selbst hatte Feritas Täuschung nicht vollends durchschauen können; hatte nur gewusst, dass etwas mit ihr nicht stimmte, konnte aber nicht sagen, was es war.
Zischend hob Feritas den Kopf und starrte Luna hasserfüllt aus gelben Schlangenaugen an. „Du hast ihn verzaubert, nicht wahr?!“ Luna deutete auf Syllvren. „Genauso wie die Zwerge! Und was wolltest du gerade tun? Mich auch verzaubern? Als ob ich auf so eine Schlange wie du es bist hereinfallen würde!“
Feritas bäumte sich auf. Ihre Stimme hatte jegliche betörende Wirkung verloren, als sie sprach. „Du machst alles kaputt, dummes Mädchen! Es wäre so viel einfacher für uns alle gewesen, wenn du einfach meiner Stimme gefolgt wärest!“ Luna übermannte das ungute Gefühl, dass Feritas sie nicht einfach nur im Traum an einen anderen Ort geleitet hätte.
Einen Moment lang starrten sich die beiden Frauen nur finster an. Und im nächsten, schossen sie auf einander zu.
Es war ein merkwürdiger Kampf. Feritas schlug mit ihren sechs Fäusten auf Luna ein und Luna wich jedem der Schläge gezielt aus, teilte jedoch selbst mit Fäusten und Füßen kräftig aus. Sie trat Feritas mit dem Knie in den Magen, schlug sie so heftig ins Gesicht, dass einer ihrer Gesichtsknochen merkwürdig knackte und gab ihr eine so saftige Kopfnuss, das Luna das Gefühl hatte, ihr Kopf würde darauf hin explodieren. Feritas hatte einen verdammt dicken Schädel. Luna taumelte nach ihrer Kopfnuss zurück und brauchte einen Moment zu lange, um sich wieder zu fangen. Denn Feritas ergriff die Gelegenheit und wickelte ihren Schlangenkörper um Luna und versuchte sie zu zerquetschen. Feritas drückte so fest zu, dass Luna die Luft wegblieb und einige Rippen knacksen hörte. Ihr ganzer Körper war ganz taub vor Schmerz, ihre Lungen schrien nach Luft. „Ich lasse mich doch nicht von einer Naga umbringen!“, dachte Luna verzweifelt und wütend zugleich. Im nächsten Moment stieß sie eine große Menge Magie aus ihrem Körper aus, die Feritas in Form von Blitzmagie traf und schockte. Sie schrie auf und ließ unvermittelt von Luna ab. Nach Luft schnappend fiel Luna auf den Boden und krabbelte dann so schnell es ging von Feritas weg, die sich ihrerseits auf die andere Seite der Lichtung zurückzog. Hasserfüllt starrten sie sich an, während sie schwer atmeten und ihre Körper schmerzten oder bereits ganz taub waren.
Die Zeit verging. Feritas nahm nach und nach wieder die Gestalt einer Blutelfe an. Und die Taubheit verließ Lunas Körper, der es nun schwer fiel, vor Schmerzen nicht einfach in Ohnmacht zu fallen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 12:14 
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Dunkelelf
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Zwei lange Tage vergingen, in denen Syllvren keine Regung nach außen zeigte. Es war vielleicht eine Hand, die sich für den Bruchteil einer Sekunde bewegte, aber mehr passierte nicht. Erst am späten Abend des Tages, als die Sonne hinterm Horizont verschwunden war, passierte etwas. Syllvren erlangte langsam wieder die Kontrolle über seinen Körper wieder, bewegte sich immer mehr – bis er schließlich seine Augen aufschlug und somit aus seinem tiefen Schlaf erwacht war. Sein ganzer Körper kribbelte merkwürdig, als er sich aufsetzte und in den klaren Sternenhimmel blickte. Das Amulett, welches er um seinen Hals trug, strahlte eine eigenartige Kälte aus, die seinen Körper erfüllte. Beinahe augenblicklich rannte Feritas auf ihn zu, nahm ihn in die Arme und drückte ihn fest an seinen Körper. Gespielte Tränen flossen ihre Wangen hinab. Verwirrt blickte der Drow die Blutelfe an. Was war nur los, dass Feritas so aufgelöst war.
„Was ist los?“ Schluchzend blickte Feritas in seine Augen. „Luna… Sie hat dich angegriffen und… Auch mich… Sie ist nicht diejenige, für den du sie hältst…“ Verwunderung legte sich in Syllvren blick, als er zu Luna blickte. Deutlich erkannte er die Narbe, die an ihrem Hals lag. Woher war sie nur? „Die habe ich ihr zugefügt, als ich mich verteidigt habe. Bitte Syllvren, wir dürfen nicht weiter mir ihr reisen. Sie ist böse…“ Der Drow konnte nicht glauben, was Feritas ihm erzählte. Luna sollte sie angegriffen haben? Aber warum nur? Aus Eifersucht attackierte man doch niemanden. „Ich… Ich kann das nicht glauben, Feritas.“ Sein Kopf drehte sich zu ihr und er sah in ein Augenpaar, welches ihn verständnislos anblickte. „Du… Du glaubst mir nicht?“ Erneut schluchzte sie und drückte erneut ein paar Tränen aus ihren Augen. Syllvren schüttelte mit seinem Kopf. Er wollte ihr glauben, aber eine Stimme in ihm flüsterte ihm, dass Luna nie im Leben einfach so Feritas angreifen würde, nur weil sie vielleicht eifersüchtig war. Irgendwas schien also nicht zu stimmen…
„Dieses Weib hat dir also den Kopf verdreht und ist dir wichtiger als ich?!“ Die Trauer war aus ihrem Gesicht gewichen und nur Zorn war noch in ihm zu sehen. Überrumpelt wurde er von Feritas wieder zu Boden gedrückt, eine Hand legte sich auf seine Stirn, die andere auf sein Amulett. „Mir bleibt keine andere Wahl… Sie weiß zuviel.“ Zuversichtlich grinste sie, streichelte mit ihrer Hand über seine Stirn „Schau mal in den Himmel. Der Mond ist doch heute richtig groß. Anscheinend haben wir wieder Vollmond…“ Ihre Worte wurden in sein Ohr geflüstert. Unweigerlich blickte Syllvren an den Himmel, seine Augen zuckten sofort zu der hellen Scheibe, die den Himmel erhellte. Und er spürte es… Seine Instinkte rebellierten, schlugen mit aller Macht gegen ihr Gefängnis und nur die kalte Magie, die von seinem Amulett ausging, konnte sie gerade noch aufhalten. Mit einem einzigen Ruck entriss sie das Schmuckstück und wirkte einen Zauber, der seine Gedanken verwirrten sollte. Der Drow heulte auf, als seine Instinkte in all ihrer Macht auf seinen Körper zugriffen. Jetzt gab es keinen Schutzzauber mehr, der sie zurückhielt. Die Macht des Mondes machte sie rasend und mit ihnen wurde es Syllvren. Rasend schnell breitete sich das Fell über seinen Körper aus, verschlang all die Kleidung, die er über seiner Haut trug. Während auch sein Kopf begann die Gestalt eines Werwolfes anzunehmen und sein Kiefer sich zu verwandeln begann, beugte sich Feritas zu seinem Ohr. „Sei ein braves Wölfchen und vernichte dieses Halbblut. Sie ist deine Feindin und will dich garantiert töten…“ Ein lautes Wolfsheulen verließ seine Kehle und Feritas erhob sich von dem zappelnden Werwolf. Ein dunkles, triumphierendes Grinsen lag auf ihren Lippen, als sie zu Luna schaute. „Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem kleinen Spielgefährten.“ Mit einem Mal lief sie los und noch im Laufen begann sich ihr Körper scheinbar aufzulösen. Genau in diesem Augenblick, als sie verschwunden war, war die Verwandlung abgeschlossen. Dunkel knurrend stand Syllvren auf, seine eiskalten Augen schienen zu glühen. Sie fanden Luna und sein Blick schien die Halbelfe durchbohren zu wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 12:59 
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Halbelfe
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Anfangs bekam Luna gar nicht mit, dass Syllvren aufgewacht war. Sie war müde und ihre Nerven lagen blank. Sie hatte seit zwei Tagen nicht geschlafen. Gebessert hatte sich nur, dass ihr Körper nicht mehr ganz so sehr schmerzte, wie nach den Angriffen von Syllvren und Feritas.
Als sie dann schließlich bemerkte, wie Feritas vergeblich versuchte, Syllvren gegen sie aufzubringen, konnte Luna nur erleichtern lächeln. Syllvren war ihr noch nicht völlig ergeben! Und dann änderte sich Feritas‘ Stimme, sie wurde kalt und wütend. Sie hatte begriffen, dass sie Syllvren auf diese Weise nicht gegen Luna aufbringen konnte. Als sie ihm das Amulett vom Hals riss und davon schleuderte, stieg Panik in Luna auf. Ihr Blick zuckte gen Himmel, an dem der Vollmond hell und unschuldig auf sie herab schien. „NEIN!“, dachte Luna und sprang auf. Sie hörte Syllvren aufschreien und blickte wieder zu ihm. „Das kann nicht wahr sein!“, dachte sie verzweifelt. Entsetzt musste sie mit ansehen, wie sich der Drow in einen Werwolf verwandelte und Feritas mit einem bösartigen Grinsen verschwand.
Es dauerte einen Moment, ehe Luna wirklich begreifen konnte, was passiert war. Feritas, diese verfluchte – Luna fielen automatisch zahlreiche drow’sche Schimpfwörter für sie ein – Naga, hatte Syllvren den letzten Schutz gegen seine Instinkte abgenommen und nun war er ihnen schutzlos ausgeliefert. Und sie hatte ihn gegen Luna aufgebracht. Der Blick, den Syllvren ihr in diesem Moment zuwarf, war leicht zu deuten: Er würde sie umbringen.
„Nein…“, flüsterte Luna fassungslos und spürte, wie ihr Tränen über die blutverschmierten und schmutzigen Wangen liefen. Sie konnte nicht anders, als Syllvren einfach nur anzustarren und aufwachen zu wollen. Das konnte nicht wahr sein! Das musste ein Traum sein! Ein ganz furchtbarer Traum…!
Ein markerschütterndes Brüllen sagte Luna jedoch, dass es die grausame Realität war, in der sie sich befand. Und ehe sich Luna versah, war Syllvren bereits auf sie zugeschossen...
Dieser Kampf – wenn man es denn als solchen bezeichnen konnte – bestand hauptsächlich darin, dass Luna versuchte, Syllvren so gut es ging auszuweichen. Mit einem einzigen Prankenhieb zerschlug er Baumstämme und Steine, schlug kleine Krater in den Boden. Unwillkürlich musste Luna sich vorstellen, wie leicht es ihm fallen würde, ihren Schädel zu zertrümmern. Aber Syllvren war so schnell, dass Luna es kaum schaffte, seinen Hieben und Bissen auszuweichen. Mehrmals traf er sie flüchtig oder schleuderte sie zur Seite. Wenn ihre Rippen nach der Umschlingung Feritas‘ nicht gebrochen gewesen waren, dann waren sie es spätestens jetzt. Luna bekam kaum noch Luft und jede Bewegung verursachte unglaubliche Schmerzen. Ab und an schaffte Luna es, Syllvren mit einem Dolch flüchtige Verletzungen zuzufügen; diese machten ihn aber eher noch rasender, als ihm wirklich wehzutun. Es war aussichtslos.
Plötzlich ging alles ganz schnell. Luna stolperte über ihre eigenen Füße und taumelte ein wenig, Syllvren nutzte die Gelegenheit und schlitzte ihr mit einer einzigen Bewegung den Oberkörper auf. Luna schrie sich die Seele aus dem Leib, so unglaublich war der Schmerz. Im nächsten Moment spürte sie einen Baum an ihrem Rücken und Syllvrens Klaue an ihrer Kehle. Er starrte sie an aus eiskalten, blauen Augen und holte mit der freien Klaue zum letzten Schlag aus, um ihr den Schädel zu zerschlagen. „Syllvren…“, japste Luna panisch und schluchzte vor Schmerz und Angst. „Er bringt mich um…“, dachte sie. Hoffnungslos, verzweifelt und voller Angst starrte sie in die mordlustigen Augen des Werwolfes.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 14:02 
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Dunkelelf
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Sein eiskalter Blick war auf seine Beute fixiert, die er mit seiner scharfen Klauen am Boden hielt. Er hatte sie fangen können und jetzt lag sie hilflos unter ihm. Und er sah es deutlich: Das kräftig leuchtende Lebenslicht. Es war stark und strahlte eine unglaubliche Energie aus, die man von einer Halbelfe nicht erwarten würde. Syllvren war sich sicher, dass es ein delikates Mahl werden würde. Mächtige Lebenslichter gibt es wenige auf dieser Welt und dieses Licht schien von seiner Kraft das von etlichen Menschenwesen zu beinhalten. Ohne auch einen weiteren Gedanken darüber nachzudenken, konzentrierte Syllvren dunkle Magie in seiner freien Klaue, ehe er sie hinabschnellen ließ und durch ihren Brustkorb stieß. Wie von Geisterhand glitt sie durch ihren Körper, umklammerte etwas und zog es langsam wieder heraus. Ein dicker, hellleuchtender Faden zuckte in seiner Pranke hin und her, schien gegen den erbarmungslosen Griff anzukämpfen. Dennoch zog Syllvren es langsam weiter aus ihrem Körper. Fast schon wie ein Wurm zappelte der leuchtende Faden, der aus flüssigem Gold zu bestehen schien und selbst in der Dunkelheit der Nacht die nähere Umgebung fast schon taghell erleuchtete. Syllvren wollte gerade mit einem heftigen Ruck den ganzen Rest ihres Lebenslichtes aus ihrem Körper reißen, als er mit einem Mal innehielt und dem Faden die Chance gab, wieder in Lunas Körper zu verschwinden. Sein ganzer Körper versteifte sich, als seine Augen in das Gesicht der Halbelfe blickten. Im tiefsten Winkel seiner Erinnerungen rührte sich etwas, was der Drow seit mehreren Jahrzehnten verdrängt hatte. Es war das letzte Mal gewesen, dass er seine Freundin aus Kindertagen gesehen hatte. Vielleicht eine Woche nach dem Angriff der Werwölfe besuchte sie ihn. Sie war besorgt gewesen, doch überwog die Erleichterung in ihren Augen, als sie Syllvren lebend wiedersah. Als einer der einzigen Überlebenden war er in einem Einzelzimmer untergebracht, welches von außen streng bewacht wurde. Dennoch war es ihr ein leichtes gewesen, einen Weg in dieses Zimmer zu finden. Und genau in diesem Zimmer tat er etwas, für das er sich bis heute nicht verzeihen konnte. Er ließ sich das erste Mal von seinen Instinkten leiten und griff mit seiner Hand nach ihrem Lebenslicht. In diesem Moment zeigte sie genau denselben Gesichtsausdruck, den Luna momentan in ihrem Gesicht trug.
Syllvren kämpft um seinen Körper. Seine Instinkte wollten erneut nach ihrem Lebenslicht greifen und es diesmal ganz aus ihrem Körper reißen und in sich aufnehmen. Die freie Klaue zitterte, kam Lunas Brustkorb wieder gefährlich nahe, bevor sie von der anderen Klaue umpackt wurde. Es schien beinahe so, als würden die Klauen gegeneinander arbeiten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 14:17 
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Halbelfe
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Angst. Schmerz. Verwirrung. Müdigkeit. Erleichterung, dass er von ihr abgelassen hatte. Es war so vieles, was gerade in Luna vorging, dass sie kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Sie wusste nur, dass jetzt ihre Gelegenheit war, um das Blatt zu wenden. Mit aller Kraft die sie aufbringen konnte, stieß Luna Syllvren von sich hinunter – was gar nicht so einfach war, da er sehr schwer war. Dann bündelte sie Magie in ihren Händen und wusste erst gar nicht, was sie da tat. Schreiend schleuderte sie die Magie auf den Werwolf und bemerkte erst einige Sekunden später, was sie getan hatte. Syllvren war in einem Käfig aus Blitzen gefangen, die hin und wieder seinen Körper unter Strom setzten.
Keuchend kroch Luna von ihm fort und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Was war das gerade gewesen? Er hatte etwas aus ihrem Körper gezogen…Sie fühlte sich matt und schwer…Und sie hatte das Gefühl, dass so etwas schon einmal passiert war. Verzweifelt versuchte sich Luna daran zu erinnern und sah einzelne Bilder in ihrem Gedanken aufblitzen. Sich, als kleines Kind, in einem dunklen, schäbigen Raum mit einem Jungen, der ihr sehr vertraut vorkam. Sie wusste, dass dieser Junge ihr Freund war. Oder gewesen war. In einem Bild war noch alles in Ordnung. Im nächsten folgte der Vollmond. Dann war er ein Werwolf…
Schluchzend rollte sich Luna zusammen. Mit einer Hand fasste sie sich an die Brust. Auch wenn ihr Oberkörper deutliche, schwerwiegende Spuren von Syllvrens Klauen trug, so hatte der letzte Angriff keine sichtbare Verletzung hinterlassen. Und dennoch tat diese Wunde beinahe am meisten weh. Vielleicht deshalb, weil sie den einzigen Schmerz verursachte, der von der Taubheit ihres Körpers unangetastet blieb.
Luna warf einen Blick auf Syllvren, der sich in dem Käfig vor inneren Kämpfen wand und von den Blitzen geschockt wurde. Sie hörte seine Schreie und schloss die Augen. Und dann überlagerte etwas anderes seine Schreie. Sie hörte sich selbst schreien vor Schmerz und doch klang ihre Stimme ganz weit entfernt. Um sie herum wurde alles leise. Und schließlich hörte sie nichts mehr.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleines Waldstück
BeitragVerfasst: 14. Aug 2011, 15:15 
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Dunkelelf
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Die ganze Nacht über war Syllvren in dem Käfig aus Blitzen gefangen und war auch, trotz seiner übermenschlichen Kraft, die er als Werwolf verfügte, nicht in der Lage, sich aus diesem zu befreien. So zog er seinen Geist tief zurück und versetzte sich in eine Art Trance, welche erst enden sollte, als sein Körper bei Sonnenaufgang wieder seine normale Gestalt annahm. Ausgelaugt von den andauernden Stromschlägen, die der Käfig ihm verpasst hatte, konnte er sich nun aus seinem Gefängnis befreien. Es dauerte eine Weile bis er realisierte, was passiert war. Augenblicklich blickte er wild um sich und entdeckte schließlich auch Luna, welche nicht weit von ihm zusammengerollt auf dem Boden lag. Mühsam kroch er zu der Halbelfe. Sein Körper war noch taub von den Stromstößen. Unmöglich war es ihm, sich aufzurichten. Wenigstens reichte es noch dazu, dass er sich über den Boden fortbewegen konnte. Bei Luna angelangt entdeckte er die tiefe Wunde, die über ihren Oberkörper geschlagen war. Er hielt den Atem an, als ihm klar wurde, dass diese Wunde durch seine Hände geschlagen worden war. Vorsichtig begutachtete sie ihre Verletzungen. Ihre Kleidung war an vielen Stellen zerfetzt worden. Überall war Blut zu sehen, welches vom Stoff eingesogen worden war. Am meisten machte ihn jedoch die tiefste Wunde. Sie blutete immer noch leicht und Syllvren befürchtete schon, dass Luna schon viel zuviel Blut verloren haben könnte. Wenn diese Wunde weiterhin bestand, wer wusste da schon, ob sie nicht ihren Tod bedeuten konnte? Angestrengt überlegte der Drow einige Augenblicke. Ihm fiel im selben Moment die eine Möglichkeit ein, wie er diese Gefahr abwenden konnte. Und er wusste genau, dass es momentan die einzige, sichere Möglichkeit war, die ihm zur Verfügung stand. Syllvren atmete tief durch, legte seine Hand auf ihre Stirn. Langsam schloss er die Augen und begann darauf einige Worte der Macht zu flüstern. Sie veränderten sich zu einem dunklen Gesang. Syllvren legte seine andere Hand auf die offene Wunde. Die Schmerzen erschlugen Syllvren beinahe. Er zog jegliches Leid, welches Luna verspüren musste, in seinen Körper. Sein Gesang wurde lauter, eine Aura von rotem Licht umgab ihn. Es war das verfluchte rote Licht der Blutmagie. Es war ein verbotener Zweig der dunklen Magie, den er seit seiner Geburt in sich trug. Erweckt wurden diese finsteren Kräfte erst, als die werwölfischen Instinkte zum Vorschein kamen. Eigentlich hatte sich der Drow geschworen, dass er nie in seinem Leben diese Magie anwenden wollte. Aber in diesem Augenblick war ihm der Schwur vollkommen egal.
Der Schmerz wollte nicht verebben, aber in diesem Moment war Luna nicht mehr die Quelle. Die riesige Narbe war von ihrem Oberkörper verschwunden und glatte Haut war an ihrer Stelle entstanden. Syllvren löste den Körperkontakt und drehte sich erschöpft auf den Rücken. Ein brennender Schmerz erfüllte seinen Körper von seiner Brust aus. Aber dies war der Lohn, wenn man durch Blutmagie Wunden heilen wollte…


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